Gedanken zum Wochenende

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Das Fest der Dreieinigkeit

Ein letzter Festsonntag in Kirchenjahr steht am Sonntag an: Trinitatis – Trinität bedeutet, dass es drei Weisen oder Wege gibt, etwas von Gott zu erfahren.

Von  Pfarrerin Ulrike Voigt, Ev. Invitaskirchengemeinde Glasow-Mahlow

„Jetzt beginnt namenstechnisch die große Ödnis“, schrieb mir unser Webmaster einmal vor diesem Sonntag. In der Tat, bisher war das Kirchenjahr interessant, das ja schon am 1. Advent beginnt. Jeder Sonntag hatte einen lateinischen Namen. In diesem 1. Halbjahr des Kirchenjahres liegen auch die meisten großen Feste: Weihnachten, Ostern, Pfingsten. Jetzt wird es auch in dieser Hinsicht karger. Im Herbst haben wir noch das Erntedankfest; in vielen Gemeinden werden auch Gedenktage gefeiert: Johannis, Reformationsfest und Martinstag. Das sind aber nicht unbedingt Sonntage. Schließlich kommt nur noch der Ewigkeits- oder Totensonntag.

Der Sonntag morgen heißt Trinitatis; alle anderen werden dann nur noch gezählt: 1. nach Trinitatis, 2. nach Trinitatis … bis maximal 24. Sonntag nach Trinitatis. Das ist wenig anschaulich, auch wenn jeder dieser Sonntage sein eigenes inhaltliches Gepräge hat.

Der Sonntag Trinitatis ist allerdings noch einmal ein Festsonntag, auch wenn uns das meistens gar nicht bewusst ist. Es wird, wie der Name sagt, die Heilige Trinität gefeiert, auf Deutsch: Die Heilige Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit. Das ist alles dasselbe, sagt aber vielen Menschen nicht viel.

In der Dorfkirche meiner ersten Gemeinde, Schlepzig im Spreewald, gibt es eine Decke, die mit Wolken bemalt ist. Über dem Altarraum schaut Gott selbst durch die Wolken. Nicht als alter Mann mit weißem Bart, sondern als rotes Dreieck, umgeben von einer Sonne. Dieses Dreieck steht für das Wesen Gottes, nämlich für die Trinität.

Im Grunde ist es ganz einfach: Trinität bedeutet, dass es drei Weisen oder Wege gibt, etwas von Gott zu erfahren.

Zuerst schauen wir uns die Welt an, in der wir leben. Schon sehr früh, als die Urmenschen zu Menschen wurden und das Denken und das Staunen lernten, wurde ihnen klar: Es muss einen Schöpfer geben. Dass diese Welt so wunderbar eingerichtet ist, dass wir hier alles finden, was wir zum Leben brauchen, kann kein Zufall sein.

Und je mehr ich über diese Welt und das Weltall, über den sogenannten Urknall und die Entstehung der Erde und des Lebens, über die Evolution lerne, desto mehr komme ich ins Staunen über diese Wunder, festigt sich in mir der Glaube, dass es einen Schöpfer geben muss. Das ist also die erste Seite des Dreiecks: Gott, der Schöpfer der Welt, der auch uns Menschen ins Leben gerufen hat.

Die zweite Seite steht für Jesus Christus. Er war ein Mensch, der in einer ganz besonderen Beziehung zu Gott stand. Wir sagen es so: Er war Gottes Sohn. Jesus hat uns viel darüber erzählt, dass Gott diese Welt und uns Menschen liebt.

Und schließlich erfahren viele Menschen Gott bis heute als lebendig. Sie fühlen sich getröstet und getragen. Sie hören einen Ruf Gottes an sich selbst und folgen ihm. Sie spüren Gottes Nähe in der heilsamen Gemeinschaft mit anderen Menschen. Es werden ihnen Erkenntnisse geschenkt und sie erhalten Antwort auf ihre Gebete. All das sind Wirkungen des Heiligen Geistes. Er ist die Kraft, durch die uns Gott berührt.

Das also feiern wir am Trinitatisfest: Dass wir von Gott auf so unterschiedliche Weise wissen, als Schöpfer oder Vater, als Sohn oder Jesus Christus und als Heiligen Geist, und dass Gott uns auf verschiedene Weise begegnen kann. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass wir den Rest des Kirchenjahres Sonntag für Sonntag daran erinnert werden.