02/03/2026 0 Comments
Verständigung ist notwendig und möglich
Verständigung ist notwendig und möglich
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Verständigung ist notwendig und möglich
Zur ersten Veranstaltung der Reihe Verständigungsorte Frieden im Evangelischen Gemeindezentrum kamen zwar weniger Teilnehmende als erwartet. Aber die rund 15 Blankenfelder:innen gingen am Ende nach mehr als zwei Stunden tief beeindruckt wieder nach Hause.
Denn das Veranstaltungskonzept sah vor, sich nicht nur die Meinung darüber auszutauschen, ob militärische Abschreckung nötig ist, um Frieden zu erhalten bzw. wieder herzustellen. Vielmehr ging es darum, sich in kleineren Gruppen zu erzählen, wie man zu dieser oder jener Meinung gekommen ist. Welche Ereignisse in der eigenen Biographie spielen dabei eine Rolle, warum man mehr auf "Frieden mit Waffen" oder mehr auf "Frieden ohne Waffen" setzt.
Viel Überraschendes kam dabei ins Gespräch, öfter war zu hören: "Das habe ich ja gar nicht von Dir/Ihnen gewusst".
Vorab gab es aber eine mehr als 30-minütiges Podiumsgespräch zwischen dem Theologen Prof. Paul Silas Peterson (Institut für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam) und Steve Rauhut vom Reformations-Campus (kurz: REFO) in Berlin Moabit. Im Campus leben nicht nur Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen, sondern es gibt auch Veranstaltungen mit dem Ziel der Friedensbildung. Deshalb vertrat Steve Rauhut eine starke friedensethische Position auf christlicher Grundlage. Sein Vorwurf an die Politik: Der Diplomatie werde zu wenig Raum gegeben.

Steve Rauhut erzählte dabei auch, dass ihn zu dieser Meinung auch das Zusammenleben in einer Kommune in Niedersachsen gebracht habe und der gemeinsame Protest gegen einen nahegelegenen Militärstützpunkt.
Dabei wisse er auch, wie sehr Gewalt dem Menschen schade, denn er selbst habe in Kinder- und Jugendjahren diesbezüglich keine Hemmungen gehabt und habe erst später das Prinzip der Gewaltlosigkeit gelernt.
Diese Sicht konnte prinzipiell auch der systematische Theologe, der in den USA aufgewachsen ist, anerkennen. Er betonte aber stärker, dass es schon auch militärischer Sicherung benötige, um Frieden zu gewährleisten. In dieser Hinsicht habe die neue Friedensdenkschrift der EKD "Welt in Unordnung. Wege zum gerechten Frieden" auch viele neue und realitätsnahe Impulse geschaffen.
Überhaupt müsse man bedenken, dass die Bundeswehr - anders als etwa die Freiwilligenarmee in den USA - eine Armee sei, die demokratisch legitimiert und vom Parlament kontrolliert werde. Sie diene vor allem Verteidigungszwecken. Das müsse man auch sehen, und in diesem Sinne sei die militärische Komponente auch bedeutsam für den Erhalt von Frieden.
In diesem Rahmen - mehr diplomatische Bemühungen, gerade im Blick auf die Ukraine vs. starke militärische Absicherung - bewegten sich auch die Meinungen der Teilnehmenden. Wobei der biographische Blick dazu führte, die Diskussionen atmosphärisch zu entkrampfen. Beindruckt stellten alle fest, dass nicht mehr konfrontativ miteinander gesprochen wurde, sondern die Gespräche vom "gegenseitigen Verstehen-Wollen" geprägt waren. Das hat alle Teilnehmenden und Mitwirkenden überrascht, auch wenn die eine oder andere auch gern noch tiefer inhaltlich debattiert hätte.

(Fotos: C. Jänicke /KKZF)
Moderator Friedemann Düring, der kurzfristig für den erkrankten Jan Kingreen (Friedensbeauftragter der EKBO) eingesprungen war, lud am Ende dazu ein, diese Form des Gesprächs fortzusetzen und weiter miteinander einzuüben.
Das nächste Mal besteht dazu Gelegenheit am 13. März, 19 Uhr im Ev. Gemeindezentrum Luckenwalde (Frieden braucht soziale Gerechtigkeit, Veranstaltung nur für Jugendliche!) und am 24.4. ebenfalls um 19 Uhr im Ev. Gemeindezentrum Ludwigsfelde, dann auch wieder mit Prof. Peterson und der Bundestagsabgeordneten Isabell Vandre (Die Linke).
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