Verbunden

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Da steht der Engel nun da mit seinem gebrochenen Flügel. Als ich ihn im letzten Jahr einpackte, war er noch ganz. Nun aber halte ich beim Auspacken erschrocken inne. Mein Blick kann sich nicht von ihm lösen, immer wieder muss ich hinsehen. Die anderen musizierenden Engel des kleinen Weihnachtsorchesters sind allesamt unbeschadet. Aber ausgerechnet der mit der Trompete ist versehrt. 

Hoffentlich wird sich das reparieren lassen. Oder soll er gerade mit dem kaputten Flügel seinen Platz im Engelsorchester haben? Weil er mir, so angeschlagen, besonders lieb und wichtig ist? Eines ist klar: er wird besondere Zuwendung brauchen. Verbinden möchte man doch gleich, wenn etwas gebrochen und zerbrochen ist. Sich dessen annehmen, pflegen, heilen, wenn es geht, möchte  ich ihn. Wie sähe er wohl mit einem kleinen Verband aus, mein Trompetenengel? Sein Flügel wäre immerhin etwas stabilisiert. Ja, mancher wird sagen: Kann man doch fix kleben. Man braucht bloß ein bisschen Holzleim. 

Aber mir scheint dieser Engel wie ein Sinnbild für die Versehrtheit von Menschen und unserer Welt im Ganzen. Es ist ja nicht nur einer, der Zuwendung und Hilfe braucht. Es ist doch nicht nur eine, die herauszufallen droht aus der Gemeinschaft? Das sind doch viele, sehr viele sogar. Wie wäre es, Weihnachten als das Fest der Verbundenheit zu sehen? Nicht süßlich verklärt, als wäre alles heil in unseren  Häusern und als wäre die Not der Welt  für  eine  Nacht verschwunden. Sondern wirklich als ein Fest der Verbundenheit in beiderlei Wortsinn. Als das Fest, an dem wir uns verbinden mit einem Kind. Und als das Fest, beidem Verletzung nicht versteckt werden muss, sondern verbunden wird und einen Platz behalten darf.


Weihnachten heißt doch, sich verbunden fühlen.

Mit den verletzten Seelen,

den Flügellahmen,

den Angeschlagenen.


Weihnachten heißt doch, sich verbunden fühlen. 

Mit den Sternsuchern, 

den Unbehausten, 

den Hirten, 

mit einer schwangeren Frau und dem Kind. 


Weihnachten heißt doch, sich verbinden lassen. 

Da wo es wehtut, 

wo die Verletzung tief sitzt, 

die Hoffnung sinkt, 

der Glaube schwindet. 


Sich verbinden lassen, das wäre was. 

Mit dem Frieden, der höher ist als alle Vernunft. 

Mit den Unverbesserlichen, die nicht aufhören zu vertrauen. 

Nicht die Verletzungen wollen wir pflegen, 

sondern die Wunden wollen wir verbinden. 


Weihnachten stärkt das Gewebe der Verbundenheit zwischen uns. 

Die Flügel nicht hängen lassen, auch wenn sie schmerzen. 

Sich nicht verstecken vor den Kriegstreibern. 

Hinausgehen und sich zeigen. 


Und unbeirrt im Engelchor mitsingen, selbst wenn die Stimme mal brüchig ist. So verbinden wir uns neu mit Gott. Mit der Liebe und mit dem Kind, das in einer Krippe in Windeln gewickelt liegt. 

Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest!

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