04/08/2026 0 Comments
Frischer Wind für zwölf Dörfer
Frischer Wind für zwölf Dörfer
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Frischer Wind für zwölf Dörfer
Im Fläming sind die Wege weit und die Ressourcen knapp. Doch gerade dort entstehen neue Ideen für das Gemeindeleben. Zwei Pfarrerinnen erproben, wie Kirche in einer dünn besiedelten Region die Gemeinschaft stärken kann.
Von Susanne Atzenroth, veröffentlicht in der evangelischen Wochenzeitung "Die Kirche"
Woltersdorf. Zwölf Dörfer, acht Kirchen und knapp 500 Gemeindeglieder: Das ist der Wirkungsbereich von Pfarrerin Miriam Keller in der Kirchengemeinde Woltersdorf-Jänickendorf. Aktuell zeigt sich noch einmal mehr, wie angespannt die Lage ist: Krankheit, Stellenwechsel und Ruhestand haben Lücken in der ganzen Region gerissen. „Wir müssen uns grundlegend zusammensetzen, wie wir in der großen Fläche mit immer weniger Menschen noch wenigstens die Grundversorgung und Zuständigkeiten abdecken können“, sagt Keller. Sie weiß, dass sie nicht überall gleichzeitig sein kann. Stattdessen versucht sie, Begegnungsmöglichkeiten als Leuchttürme zu schaffen, dort, wo Kontakte entstehen und sich Neues an Bestehendes anschließen lässt.
Seit April 2025 arbeitet sie zu 75 Prozent als Gemeindepfarrerin und mit weiteren 25 Prozent im zweijährigen Projekt „Missionarische Erprobungsräume“, das sie gemeinsam mit Entsendungspfarrerin Johanna Moser in der Region um Luckenwalde im Kirchenkreis Zossen-Fläming umsetzt. Es ist bereits der zweite Durchlauf der Erprobungsräume, die von 2019 bis 2023 im Niederen Fläming viele neue Initiativen schufen. Nur noch wenige Monate bleiben bis zum Ende des Projektes.
Gartengruppe und Pop-Gottesdienste
Auch hier zeigt sich, dass Einiges in Bewegung geraten kann, wenn viele Menschen Ideen und Hände einbringen. So wurden in den vergangenen eineinhalb Jahren zu den bestehenden Angeboten der Gemeinde eine ganze Zahl neuer Formate erprobt. Einige, wie das Gesprächsangebot „Tischzeit“, wurden mangels Beteiligung wieder eingestellt, andere haben sich verstetigt: etwa die Gartengruppe für 30- bis 40-Jährige und alternative Gottesdienste mit Popsongs und kreativen Elementen. Monatlich finden sie an wechselnden Orten statt.
Außerdem gab es eine missionarische Kunstaktion und Wohnzimmerkonzerte. Das „Singcafé“ mit nur wenig liturgischen, aber vielen musikalischen Elementen, das Johanna Moser in einer sonst kaum genutzten Kirche gemeinsam mit Kirchenmusikerin Anne Gera ins Leben rief, wurde so gut angenommen, dass es im August eine Neuauflage gibt. „Selbst aus den umliegenden Orten kamen Menschen und brachten Kaffee und Kuchen mit“, erzählt Johanna Moser. „Unser Wunsch ist es, dass in jeder Kirche der Gemeinde einmal im Jahr ein Höhepunkt stattfindet, bei dem die Menschen gerne zusammen sind“, bekräftigt sie.
In alle Überlegungen sind auch die Ortskirchenräte (OKR) mit einbezogen. Die „OKR-Tage“, die bereits zum zweiten Mal im Woltersdorfer Pfarrhaus stattfanden, seien inzwischen regelrechte „Thinktanks“, freut sich Keller. So hatte Ortskirchenrätin Elisabeth Mudarak die Idee, neu Zugezogene persönlich willkommen zu heißen. „Und sei es nur, den ersten Gemeindebrief vorbeizubringen, statt ihn in den Briefkasten zu stecken“, so die 35-Jährige.
Neue Freunde gefunden
Die Gartengruppe, in der sie Mitglied ist, ist für sie inzwischen auch ein Freundeskreis geworden. Als die Pfarrerinnen die Idee einbrachten, war sie als Hobbygärtnerin neugierig. „Mal sehen, was das wird?“, dachte sie. Inzwischen trifft sich die kleine Gruppe monatlich im Pfarrgarten in Woltersdorf. „Jeder bringt etwas ein, zusammen haben wir richtig gute Ideen und schaffen viel.“ Eine Totholzhecke haben sie schon geschichtet. Im Vorgarten hinter dem frisch gestrichenen Holzzaun entsteht gerade eine Naschhecke. Später soll noch eine Bank dazukommen.
„Wir wollen den Garten öffnen und einladend machen“, erzählt sie begeistert. „Die beiden Pfarrerinnen haben nicht nur richtig frischen Wind in den Ort gebracht“, findet Elisabeth Mudarak, „sondern die Impulse, die sie in die Gemeinde hineingeben, führen auch dazu, dass wir selbst weiterdenken.“
Das Thema Ehrenamt beschäftigt Johanna Moser, die mit einem Stellenanteil von 75 Prozent Erprobungspfarrerin ist, besonders. Auf der Suche nach dem, was Engagement attraktiv macht, erhält die Gemeinde als eine von zehn Modellgemeinden Unterstützung durch das Projekt „Transformation Ehrenamt“ des Diakonischen Werkes und der Charisma Ehrenamtsagentur.
Freiraum zum Entwickeln und Weiterdenken
Vernetzungen helfen ihnen, über den Tellerrand zu schauen und Allianzen innerhalb der sozialen Infrastruktur zu schaffen. „Natürlich sind viele Dinge auch im Rahmen des regulären Pfarrdienstes möglich, aber die Anteile der Erprobungsräume sind ja on top und schenken Freiraum zum Entwickeln und Weiterdenken“, sagt Keller.
Immer gehe es auch um die Frage: „Welche Veranstaltungen können später weiterlaufen und unabhängig von uns als Pfarrpersonen werden?“ Die Gartengruppe fühle sich bereits wie ein kleiner Erfolg an. „Etwas zusammen zu machen und mit den Händen zu gestalten, das bringt allen viel Kraft“, sagt Keller. Die guten Gespräche ergäben sich dann am Rande fast von selbst.
Und doch ist klar: Zwei Jahre sind kurz, um eine Region kennenzulernen, Beziehungen aufzubauen und Neues zu verankern. „Ich komme gerade erst an und muss bald schon wieder gehen“, sagt Moser. Ende des Jahres endet ihre Zeit als Entsendungspfarrerin und auch das Projekt Erprobungsräume in dieser Region. Ob und wo Moser künftig arbeiten wird, ist offen. Miriam Keller blickt der Zeit danach mit gemischten Gefühlen entgegen. „Ich habe schon ein wenig Respekt, nächstes Jahr allein weiterzumachen“, sagt sie.
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