03/04/2026 0 Kommentare
Überraschung und Freude
Überraschung und Freude
# Angebote

Überraschung und Freude
Überraschung und Freude. Das feiere ich im Osterfest mit meiner Familie. Die Überraschung liegt bunt zwischen den Tulpen und hinter dem Apfelbaum. Im hohlen Ast oder einfach im Gras. Vor ein paar Tagen haben wir hart gekochte Eier gefärbt, und ganz vorsichtig mit Abziehbildern beklebt. So ist es bei uns Brauch. Am Ostersonntag verstecken wir die Hühnereier und die Eier aus Schokolade in ihren leuchtend bunten Verpackungen füreinander im Garten. Wenn ich dann ein Ei finde, das für mich an einem ungewöhnlichen Ort versteckt wurde, freue ich mich an der Überraschung.
Manchmal kommt es auch vor, dass ich noch Wochen später lachend an Ostern denken muss, wenn ich beim Rasenmähen zwischen einem Büschel mit Schneeglöckchengrün ein nicht gefundenes, bunt verpacktes Schokoladenei entdecke – eine schöne, wenn auch nicht mehr essbare Überraschung.
Überraschung und Freude gehören für mich nicht nur zur österlichen Eiersuche im Garten. Vielmehr sind sie für mich Kern des christlichen Osterfestes. Die Bibel erzählt davon, wie die Frauen am Morgen zum Grab Jesu kommen. Erschrocken und überrascht stellen sie fest, dass es leer ist. Statt Tod und Trauer wartet dort ein Engel der spricht: „Fürchtet euch nicht. Jesus ist nicht hier. Er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ Aus Erschrecken und Überraschung werden Freude und Hoffnung, zunächst für die Freundinnen und Freunde Jesu, dann für alle, die an Gott in christlicher Weise glauben.
Ihre Bedeutung gewinnen die Überraschung und die Freude des Osterfestes in den geprägten Tagen davor, im letzten gemeinsamen Mahl Jesu mit seinen Freunden, dessen am Gründonnerstag gedacht wird, im Verrat eines Freundes, in der Tiefe des am Kreuz leidenden Menschen, im gewaltsamen Tod Jesu, der den Karfreitag prägt.
Das Licht des Ostertages durchbricht die Dunkelheit von Leid und Trauer. Das Wunder wird offenbar. Das Grab ist leer. „Fürchtet euch nicht.“ Freude bricht sich Bahn und gründet die Hoffnung, dass am Ende nicht der Tod steht, sondern Gottes Liebe, die lebendig macht.
Von dieser Hoffnung erzählen lässt sich in vielen Bildern und Symbolen. Gerade der Frühling ist voll von ihnen. Aufbrechendes Leben lässt sich in diesen Tagen überall entdecken. An den Zweigen der Obstbäume zeigen die Knospen schon erstes Weiß. Die Mirabelle steht in voller Blüte. An Büschen und auf den Wiesen drängt, betupft von gelben Osterglocken und bunten Tulpen, das lebendige Grün hervor.
Beim Blick darauf geht mir ein Lied aus dem Gesangbuch durch den Kopf.
Es singt vom Korn, das in die Erde versinken muss, damit aus dem Acker der Keim grün hervorbrechen kann. Jesus hatte das Bild vom Weizenkorn genutzt, um vom ewigen Leben zu erzählen. Der Theologe und Lieddichter Jürgen Henkys hat den Text des englischen Passions- und Osterliedes „Now The Green Blade Rises“ ins Deutsche übertragen. Schlicht und klar sind die Strophen gehalten. Sie zeichnen den Weg vom Karfreitag zum Ostermorgen nach. Durch Leid und Verlorenheit führt dieser Weg durch Schuld, Verstrickung und Nacht bis zum Morgen des Ostertages. Mit seiner Überraschung und mit der Freude über die Liebe, die lebendig macht, lässt er uns feiern: „Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien. Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.“
Kommentare