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Seit kurzem ist es amtlich: Die Evangelische Kirchengemeinde Luckenwalde besitzt mit der Turmuhr in der Jakobikirche ein einzigartiges technisches Denkmal. Im September 2019 wurde sie als technisches Einzeldenkmal in die Liste des Landkreises Teltow-Fläming aufgenommen.

Die mehr als 125 Jahre alte Turmuhr stammt aus der traditionsreichen Werkstatt von C.F. Rochlitz in Berlin. Die Firma hatte unmittelbar nach der Grundsteinlegung der Kirche 1892 den Auftrag zur Herstellung der Turmuhr erhalten und die Uhr bis zum Januar 1893 hergestellt. Anschließend wurde sie aber zunächst nach Chicago gebracht und auf der Weltausstellung präsentiert. Dem deutschen Katalog der Weltausstellung kann man entnehmen, dass die Turmuhr sowie das Ziffernblatt an der Hinterfront des Turmes am Deutschen Haus in Chicago installiert wurde, dort jedoch ohne einen Verteilmechanismus.

Das Zahnradwerk der Übertragung auf vier Ziffernblätter ist dann nachträglich in Luckenwalde eingebaut worden, sozusagen als Zweitverwertung. Das Landesamt für Denkmalpflege beschreibt die Anlage so: "Die größte mechanische Pendel-Turmuhr mit Viertelstunden und Ganzstundenanschlag des Flämings besitzt einen Gewichtsantrieb, der aus drei Komponenten besteht, einem Antriebsstrang für das Gangrad (Minutenrad) und zwei für den Viertelstunden- und Ganzstundenanschlag. Das Herzstück ist die sogenannte „Hemmung“. Eine technische, denkmalwertrelevante Besonderheit stellt der sehr selten anzutreffende Zweitantrieb dar, der den konstanten Aufzug der Hemmung regelt. Hier wird die Kraft nicht komplett auf alle Zahnräder übertragen, sondern anteilig auf den Zweitantrieb umgelenkt. Dadurch werden die Ganggenauigkeit erhöht und die Wartungsintervalle optimiert. Solche Zweitantriebe für einen konstanten Aufzug wurden nur um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gebaut. Ihr Einbau war kostenaufwändig, weshalb man vielfach darauf verzichtete. Die Übertragung auf die Ziffernblätter erfolgt auf die Minutenzeiger."

Solche mechanischen Übertragungen sind heute sehr selten geworden, weshalb Gutachter Dr. Matthias Baxmann konstatiert: die Turmuhr der Jakobikirche ist "ein technikgeschichtliches Meisterwerk der Turmuhrbaukunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts."

 

Weitere Informationen:

Gutachten Dr. Baxmann

Beitrag der Märkisch Allgemeinen Zeitung vom 9. Oktober 2019

Letzte Änderung am: 21.10.2019