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RSSPrint

Bischof beeindruckt vom kirchlichen Leben in der Region

23.09.2020

Das umfangreiche Programm zeigte einen lebendigen Kirchenkreis, in dem viel ausprobiert werden darf.

Nicht nur die warme Septembersonne schien beim Antrittsbesuch von Bischof Christian Stäblein im Kirchenkreis Zossen-Fläming. Genauso warmherzig wurde er bei unterschiedlichen Terminen in der Region empfangen. Los ging es am frühen Morgen in der Hörspielkirche Prensdorf (Gemeinde Dahmetal). Hier ging es beispielhaft darum, wie eine sanierte Kirche mit Leben gefüllt werden kann. Und das Konzept "Hörspielkirche", bei dem sogar Nicht-Kirchenmitglieder aus dem Dorf mitarbeiten, kommt gut an.

“Öffnet die Türen, auf das unser Haus voll werde!”, dieser Leitspruch wird tatkräftig umgesetzt. Regelmäßig werden nach der Sanierung 2018 in den Sommermonaten Hörspiele für Groß und Klein angeboten, kommen Schulklassen und Hortgruppen vorbei, toben in und um die Kirche und kommen beim Hören eines Hörspiels ganz bei sich an, erzählen die Prensdorfer.

Und täglich ist die Kirche geöffnet. Und die Prensdorfer haben sich auch für die Besichtigung etwas besonderes einfallen lassen. So wurde professionelle Technik angeschafft, Orgelmusik aufgenommen, erklärende Texte von Pfarrerin Rostalsky aufgezeichnet. Selbst flämisches Platt, von einem Schüler gesprochen, ist zu hören. Das ganze kann per Tastendruck je nach Lust und Laune abgespielt werden. 

"Die Fläming-Skate geht mitten durch unser Dorf, und die Menschen schauen sich die Kirche einfach an", so ist zu erfahren. Dokumentiert wird dies durch das Gästebuch. Da haben sich sogar Menschen aus Frankfurt am Main und Polen eingetragen. 

Ein echter Erprobungsraum sei das, sagte Bischof Stäblein beeindruckt. Da schlossen die ersten Erfahrung im in der Region im Aufbau begriffenen Projekt "Missionarische Erprobungsräume" direkt an. Pfarrerin Ly Dang, die dafür in der Region arbeitet, hat in der kurzen Zeit schon viel bewegt. Gemeindekirchenräte sind mit auf den Weg genommen worden, und in der Kirche Wiepersdorf, direkt neben dem Künsterschloss gelegen, sind Gebetsstationen errichtet worden. Da gibt es sogar einen Mülleimer, in dem der Ballast des Lebens abgelegt werden kann. Und die Stufen zur hohen Empore sind in Regenbogenfarben beklebt worden. Zwei Tage die Woche ist die Kirche nun wieder geöffnet, und vor kurzem gab es in der Kirche sogar ein Konzert mit Künstlern, die im Schloss zusammenkommen. Eine Kooperation, die auf jeden Fall weiter ausgebaut werden soll. 

Ebenso, wie der Yoga-Kurs im benachbarten Gräfendorf, der vergangene Woche zum ersten Mal zusammenkam, angeleitet von einer ausgebildeten Lehrerin, die christliche Spiritualität mit Yoga verbindet und aus Bremen per Video zugeschaltet ist. 

Nach dieser ersten intensiven Begegnung ging es weiter nach Baruth/Mark, wo Revierförster Tobias Schramm und der Landeskirchliche Referent für land- und Forstwirtschaft Martin Czarnowski über die Situation rund um den Kirchenwald berichteten. So erfuhr Christian Stäblein, dass im Kirchenkreis Zossen-Fläming rund 900 Hektar Waldgebiete in kirchlicher Verantwortung liegen, rund 10 Prozent aller kirchlichen Waldflächen in der EKBO. Damit ist der Kirchenkreis Zossen-Fläming der waldreichste in der Landeskirche, jedenfalls im Blick auf die kirchlich bewirtschafteten Flächen. Die sind allerdings ziemlich zerstückelt und auch von unterschiedlicher Qualität Über 270 solcher Flächen gibt es in der Region, die Waldgebiete um Paplitz und Merzdorf sind dabei die mit 170 Ha. die größten und auch die vielseitigsten. 

Gezeigt wurde ein mit Wildzaun versehenes Waldgebiet, wo inzwischen neben dem dominierenden Kiefernbestand seit zehn Jahren auch Laubbäume wachsen, die sich selbst ausgesät haben. Ein optimaler Zustand, denn so können die Bäume tiefere Wurzeln treiben, was sie widerstandsfähiger macht, wie Revierförster Schramm erklärt.  

Überhaupt gehe es ohne teure Wildzäune nicht, denn der Wildbestand in den Wäldern ist viel zu hoch. Direkt neben dem Zaun konnten Eichentriebe besichtigt werden, die vom Rehwild abgeknabbert wurden und deshalb auch nach Jahren nicht größer werden.

Ein weiteres Problem ist die andauernde Trockenheit, die inzwischen auch den robusten Monokulturen, auch der Kiefer zu schaffen macht. Wenige Meter weiter konnte der Besuch aus Berlin sehen, wie die ersten Kiefern absterben.

Der Mitarbeitende der Kirchlichen Waldgemeinschaft Mittelbrandenburg verbreitet dennoch keinen Pessimismus. "Der Wald wird sich verändern, aber ich bin zuversichtlich, dass es auch in 100 Jahren noch Wald geben wird", sagt Tobias Schramm.

Mit dazu beitragen soll auch eine ökologische Bewirtschaftung, zu der auch die Pflege einer Streuobstwiese am Waldrand bei Paplitz gehört. Erst im August wurden in einer Aktion junge Apfelbäume gepflanzt und Altholz beschnitten. Der Revierförster wünscht sich mehr Besuche von Schulklassen und Waldgottesdienste, damit das Bewusstsein für den Wald wächst.

Am Nachmittag traf sich Bischof Stäblein dann mit den Beauftragten des Kirchenkreises für die verschiedenen Arbeitsgebiete in Zossen. In den Gesprächen mit Superintendentin Katrin Rudolf, Kreiskantor Peter Michael-Seifried, Kreisjugendpfarrerin Julia Daser, Flüchtlingspfarrer Hartmut Hochbaum und Öffentlichkeitsbeauftragten Friedemann Düring wurden noch einmal das vielfältige Engagement in den unterschiedlichsten Bereichen skizziert: Die Möglichkeiten, durch Befähigung ehrenamtlicher und nebenberuflich Tätiger, die Qualität kirchlichen Lebens unter den besonderen Bedingungen des ländlichen Raums skizziert. Berichtet wurde von einer intensiven kirchenmusikalischen Ausbildung in Jüterbog, die einhergeht mit der denkmalgerechten Restaurierung von Orgelinstrumenten in den Dorfkirchen, ebenso vom Aufbau einer Jugendkirche, vermutlich stationär in Zossen. Ein Thema war auch die intensive Betreuung von Geflüchteten und deren Integration in die Kirchengemeinden in der Region, von der Pfarrer Hochbaum erzählte. Hervorgehoben wurden auch hier die vielfältigen Möglichkeiten, Dinge auszuprobieren, aber auch das Risiko mitgetragen wird, dass Manches am Ende nicht aufgeht. 

Zum Abschluss des Tages standen noch Gespräche mit dem Team der Notfallseelsorge im Landkreis Teltow-Fläming auf dem Programm. Ein Arbeitsfeld, in dem ehren- und hauptamtlich Tätige gemeinsam einen wichtigen Dienst für die in Not geratenen Menschen tun. Es steht exemplarisch für ein gelingendes Kooperationsprojekt mit nichtkirchlichen Akteuren im Kirchenkreis.