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RSSPrint

Aufgelesen: Strukturen im Blick

03.09.2018

Katrin Rudolph ist die neue Superintendentin im Kirchenkreis Zossen-Fläming

Der erste Termin in ihrem neuen Amt als Superintendentin im Kirchenkreis Zossen-Fläming ist fest im Terminkalender notiert: Am 1. September lauscht Katrin Rudolph dem womöglich ältesten noch erhaltenen Orgelpositiv in der St. Nikolaikirche Jüterbog. Mit einem festlichen Konzert wird das Instrument von 1657 nach mehr als einem Jahr Restaurierungspause wieder erklingen. „Die Orgel ist ein reizvolles Instrument“, sagt die 43-Jährige. Das findet auch ihre Tochter: Die 15-Jährige will nach dem Umzug von Berlin-Steglitz nach Zossen Orgel spielen lernen.

Katrin Rudolph arbeitete früher als Historikerin und ist erst seit zehn Jahren Pfarrerin – und wird nun Superintendentin. Seit 2010 war sie Pfarrerin in der Markus-Kirchen -gemeinde in Berlin-Steglitz. Als Teil des Pfarrsprengels Steglitz-Nord arbeitete sie mit fünf weiteren Gemeinden zusammen. „Vieles konnte ich hier ausprobieren“, sagt sie. Durch den demografischen Wandel sind solche Regionalisierungen auch im ländlichen Raum unumgänglich. Im Kirchenkreis Zossen-Fläming gebe es dazu schon viele kreative und zukunftsweisende Ansätze, so Rudolph. Diese will sie nun mit -gestalten.

Die Menschen, die Gemeinde tragen, sind für die neue Superintendentin dabei die entscheidenden Akteure in diesen Veränderungsprozessen. „Gewisse Dinge kann man nicht erzwingen, sondern nur machen, wenn die Leute selber Kraft zur Verfügung stellen“, sagt sie. Das erlebte sie auch in Steglitz. Beim Umbau der Markus-Kirche vor sechs Jahren gab die Gemeinde ihren zweiten Predigtstandort auf. Die Menschen aus diesem Umfeld mussten für den neuen Hauptstandort gewonnen werden. Die Neugestaltung kommunizierte das zweiköpfige Pfarrteam deshalb so transparent wie möglich, „sodass wir am Ende eine Gemeinde waren“, so Rudolph. Organisationsentwicklung lag der Frau mit dem wachen und freundlichen Blick schon immer am Herzen. In den 1990er Jahren unterstützte Katrin Rudolph ehrenamtlich einen großen Strukturprozess im Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP). Im Ergebnis präsentierten sie eine entschlackte Satzung. „Seitdem weiß ich, was möglich ist und was man in solchen großen Schiffen verändern kann.“

Bei den Pfadfindern engagierte sie sich seit Anfang der 1990er Jahre. Die gebürtige Potsdamerin gründete damals eine Pfadfindergruppe in ihrer Heimatstadt Potsdam, die erste in Ostdeutschland. Schon bald brachte sie sich auf Landes- und Bundesebene ein. Eine Verbandsfahrt nach Israel 1991 „war für mich in jeder Hinsicht ein Wendepunkt“. Unter dem Sternenhimmel in der Negev-Wüste erzählte eine junge Israelin der Gruppe von ihrer Familie: Die Großmutter hatte gerade so Auschwitz überlebt. „Diese junge Frau passte nun auf uns Deutsche auf, obwohl sie wusste, was Deutsche Juden angetan haben“, erinnert sich Katrin Rudolph heute. Die Shoah wurde ihr Lebensthema. „Das hat mich nie wieder losgelassen.“ Nach dem Abitur absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in Israel. Später promovierte sie über die Rettung von Juden und Christen „jüdischer Herkunft“ in der NS-Zeit durch illegale Hilfen. Als Beauftragte für Erinnerungskultur im Kirchenkreis Steglitz und verantwortliche Koordinatorin der Stolpersteinverlegungen im selben Stadtbezirk prägte sie sieben Jahre die Erinnerungskultur im südlichen West-Berlin.

Sie habe sich natürlich schon erkundigt, wie im Kirchenkreis Zossen-Fläming Erinnerungskultur gelebt wird. Aber in erster Linie will Katrin Rudolph dort als Superintendentin strukturelle Veränderungsprozesse begleiten. Neben dem Besuch von Konzerten heißt das erst einmal, viel herumzufahren, „um Menschen, Orte und die schönen alten Kirchen kennenzulernen“, wie sie sagt. Wenn Rudolph in Berlin unterwegs ist, dann stets mit ihrem Fahrrad. Das Auto ließ sie aus ökologischen Gründen lieber stehen. Ein E-Auto ist daher ihr nächstes Ziel.

Quelle: Die Kirche, Nr. 35, 2. September 2018 (von Constanze Bürger)