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Der Mandelzweig blüht und treibt wieder

Ostern ist geprägt von der Erfahrung, dass es auch in Pandemiezeiten Grund zur Hoffnung gibt.

Von Kreiskantor Peter-Michael Seifried, Jüterbog

Da ist es wieder – die Natur regt sich nach langem Winter. Ein Farbrausch – oft mit eigenen Pflanzungen ergänzt, zeigt unsere Seh(n)sucht nach Frühling, Aufbruch, Normalität. In all dem täglichen politischen Hin und Her bleibt dies eine Konstante – es IST Frühling – wie in all unseren Lebensjahren vorher (und nachher).

Einen besonderen akustischen Impuls hören wir am Sonntag im Ostergeläut von allen Kirchtürmen, nicht nur in unserem Landkreis – nein, weltumspannend verkünden die Glocken „Christ ist erstanden“. Wie die Glocken zu Weihnachten ist das Osterläuten weit über die Kirchen bedeutsam, weil völkerverbindend, Frieden anmahnend und Heimat über Jahrhunderte vereinend. Das immerhin bleibt auch in diesen – und jetzt kommt das Unwort – Coronazeiten.

Ich habe einen Blick in die Geschichte gewagt – und festgestellt, wie dünn die Erfahrung „normaler“ Ostertage ist. Ob in vielen Kriegsjahren zwischen 1618-48, 1861, 1871, 1914-18, 1933-45 usw. oder in all den Jahren dazwischen weltweit, Ostern ist auf dieser Erde wohl kein Fest des allgemeinen Friedens und der Solidarität der Menschen. Nein, im Gegensatz zum Weihnachtsfrieden ist Ostern immer auch ein Fest der alles überlagernden Normalität in dieser Welt.

Und das sah wohl Jesus auch so, als er feststellt „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“. Ein anderes Wort „ich lebe, und ihr sollt auch leben“ und noch ein anderes, an den neben ihm gekreuzigten reuigen Verbrecher gerichtet „heute noch wirst Du mit mir im Paradies sein“ Was sagt uns das – Christinnen und Nichtchristen? Suchenden und Findenden, Angsterfüllten und Traurigen?

Nun, dazu muss ich in die Geschichte vor Ostern, vor Karfreitag tauchen. Ein Mann, dessen Lebensgeschichte über Jahrzehnte keiner Erwähnung wert war, taucht in seinen letzten Jahren aus dem Dunkel des Vergessens. Wie viele andere seiner Zeit wandert er predigend und heilend, Anhänger(innen) sammelnd durch ein Gebiet zwischen Mittelmeer (Tyrus), See Genezareth (unter anderem Kapernaum) und Jerusalem (jüdischer Tempel). Soweit, so gut und geschichtlich nichts Besonderes. Dennoch ist die Tatsache des Wiederauftauchens in die Geschichtsschreibung nach Jahrzehnten bedeutsam. Im Umgang mit Unglauben, Verrat, falschen Freunden, Versuchungen und Bedrohungen, verlorenem Prozess, Folter und schließlich schmählichem Tod hat sich dieser Jesus - wie ein Soldat unter dem Kreuz sagte - als „der Sohn Gottes“ erwiesen.

„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ waren Jesu Worte im Sterben am Kreuz. Und auch das führte dazu, die Wirksamkeit seiner Gedanken, seiner Lehre und seines Tuns nun in der größten Religionsgemeinschaft weltweit lebendig bleiben und wachsen zu lassen. Mut und Gottvertrauen im Leiden, Auflehnung und Annehmen, friedliches Akzeptieren und visionäres Einladen zur Teilhabe waren im Leben von Jesus wichtig.

Das macht doch auch Ostern für uns alle aus – wir sehen und erfahren – wie Schalom Ben-Chorin 1981 schrieb: „Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt. Dass das Leben nicht verging, soviel Blut auch schreit, achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit. Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht. Doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht. Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, bleibe uns ein Fingerzeig, wie das Leben siegt.“

Für dieses Ostern 2021 wünsche ich uns allen die Erfahrung des „leicht im Winde“ wehenden Mandelzweiges.

Letzte Änderung am: 12.04.2021