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Versöhnung – der Weg in den Frieden!

Von Pfarrer Markus Sehmsdorf, Ev. Pfarrsprengel Baruth/Mark

 

 

Liebe Leserinnen und Leser! Leider ist es so, dass auch Zank und Streit zum Leben dazu gehören. Unterschiedliche Blickwinkel, Gefühle, Informationsquellen und Freundschaften beeinflussen das eigene Leben, so dass auch innerhalb von Familien immer wieder Konflikte vorprogrammiert sind.

Das eigene Gerechtigkeitsempfinden, als Indikator eines richtigen Verständnisses, also meiner persönlichen Gerechtigkeit, sind dann Grundlage von Zank und Streit. So wie beispielsweise in der Geschichte „Vom verlorenen Sohn“, wie sie der Evangelist Lukas im 15. Kapitel aufgeschrieben hat. Der jüngere Sohn möchte nicht warten, bis der Vater stirbt. Er lässt sich schon zu Lebzeiten sein Erbteil auszahlen und versucht in der Ferne sein Glück zu finden.

Das Erben ist oft mit einem hohen Konfliktpotential verbunden. Vertragen, Vergeben oder Verzichten helfen hier nicht, in den Frieden zu finden, da das Anspruchsdenken meist auf klare Vorteile ausgerichtet ist. Gerade in einer einst glücklichen Liebesbeziehung sind die Paare oft bestrebt, den dennoch entstandenen Konflikt durch einen Akt der Versöhnung wieder lösen. Harmonie und Frieden sind wichtige Grundlagen für Glück, Gemeinschaft und Gesundheit.

Doch wie macht man Versöhnung? Es ist einfacher, sich zu vertragen, weil man dazu nur wieder die Vertrags-Grundlagen befolgen muss, wie zum Beispiel: „Wir hatten uns doch darauf geeinigt, dass wir alles erst einmal miteinander besprechen, bevor du deine Mutter um Rat bittest“. Auch kann eventuell ein Vergeben dafür notwendig werden, weil man wieder mal etwas von sich geben muss, wie Verständnis, Zeit, Geld oder Kraft. Vergeben hat im Wort das Geben. Verzicht steckt im Wort Verzeihen. Und so sollte man Verzicht üben, damit die Spirale: „Wie du mir- so ich dir“ endlich durchkreuzt und unterbrochen wird. Doch wie macht man „Versöhnung“?

In der Geschichte „Vom verlorenen Sohn“ erhalten wir einen versteckten Hinweis. Als der Sohn zum Vater zurückkehrt, verzichtet der Vater auf eine Erklärung, er vergibt, weil er neue Kleidung und ein Fest ihm anbietet und er verträgt sich mit ihm, indem er die Stellung Vater-Sohn wieder herstellt, und ihn nicht zum Knecht macht. Doch dann erfolgt die Versöhnung, indem er seine ihm noch verbliebene Macht neu ordnet.

Versöhnung ist Neuordnung von Macht. Macht möchte ich nicht statisch verstehen, sondern dynamisch. Wer viel macht, hat oft auch viel Macht. Wir sprechen von einer Generation der Macher. Die Zeit verändert alte Machtverhältnisse und Aufteilungen. Da muss immer wieder neu eine Aufteilung und Verteilung von Macht erfolgen. Ein Streben zur Allmacht mündet leicht in der Ohnmacht. Miteinander die Ressourcen neu ordnen und verteilen. Das ist aktive Versöhnung. Als Gott erkannte, dass sein Geschöpf der Mensch sich immer weiter von ihm entfernt hatte, musste Gott Mensch werden. Als Mensch unter Menschen konnte er die Welt mit sich wieder versöhnen.

Und der Vater aus dem Gleichnis bei Lukas? Er gab dem verlorenen Sohn einen Ring. Mit diesem Ring konnte der Jüngere nun auch Verträge schließen. Der Vater hatte seine noch verbliebene Macht mit ihm geteilt. Wenn es um Versöhnung geht, dann immer auch um Aufwertung des Gegenübers und Neuordnung von Macht. Gerade bei allem Bestreben für eine nachhaltige Zukunft dieser unserer Erde für unsere Kinder und Kindeskinder brauchen wir eine Neuaufteilung von Macht in der Gegenseitigen Aufwertung. Dieser Akt der Versöhnung gilt auch Politikerinnen und Politiker, die unser Vertrauen haben.

Ich wünsche Ihnen gelingende Versöhnung, damit der Frieden und die Harmonie sie stark machen.

Letzte Änderung am: 25.10.2021