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RSSPrint

Den Himmel sehen und die Wurzel spüren

Gott wird in vielen persönlichen Situationen oft sehr unterschiedlich erfahren

Von Pfarrerin Susanne Seehaus, Ev. Pfarrsprengel Rangsdorf

Ohne Gott – oder lieber mit? Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, ob es eigentlich besser mit oder ohne Gott geht?

Meist stellen sich solche Fragen ja nicht im Alltag, sondern zu bestimmten Ereignissen: Wenn ein Kind geboren wird, wenn eine Hochzeit ansteht oder wenn eine Beerdigung organisiert werden muss. In solchen Situationen kommt Gott oftmals ins Spiel. Nicht als alter Mann mit Bart, der die Welt regiert, sondern als eine Art Statthalter für das „Große und Ganze“, das wir Menschen nicht in der Hand haben.

Als Pfarrerin unterhalte ich mich oft mit Menschen über ihren Glauben. Viele erzählen dabei sehr persönliche Geschichten. Dabei geht es meist um Lebenskrisen. Gott wird dabei sehr unterschiedlich erfahren: als Licht am Ende des Tunnels, als offener Himmel, als behutsamer Engel, als leise innere Stimme, als Autorität oder als Schutzmacht. Ich stelle immer wieder fest, dass die meisten Menschen dabei auf ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen zurückgreifen. Was sie im Konfirmandenunterricht oder im Religionsunterricht gelernt haben, ist als Vorstellung in ihr Denken eingegangen und abrufbar, wenn es darauf ankommt.

Deshalb möchte ich Ihnen sehr ans Herz legen, das Pflegen solcher inneren Quellen nicht aufzugeben. Beschäftigen Sie sich mit Gott! Schicken Sie Ihre Kinder in den Religionsunterricht oder zum Konfirmandenunterricht. Nicht, weil Sie irgendetwas vorschreiben wollen, sondern weil es im Leben immer mal darauf ankommt, dass man nicht nur mit einem Smartphone umgehen kann.

Sicher geht es im Alltag ohne Gott ziemlich gut. Auch ich als Pfarrerin repariere meine Sachen ohne Gott, kaufe ohne Gott ein und treibe Sport, ohne ständig an Gott zu denken. Aber es gibt sie, die Augenblicke, in denen ich genau merke, dass es besser mit Gott geht. Dass er auf mein „Ach Gott!“ antwortet und dass sich Dinge in einen großen und weiten Horizont stellen lassen.

Jetzt im Sommer spüre ich das besonders draußen in der Natur. Ein Wort aus der Bibel fällt mir dazu immer gerne ein: Du stellst meine Füße auf weiten Raum! (Psalm 31,9). Draußen in der Natur spüre ich die Weite des Raumes und die Unendlichkeit des Himmels. Paul Gerhardt dichtete dazu im Jahr 1653: „Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzeln treiben.“

Mit Gott habe ich meine Wurzel auf der Erde und meinen Geist im Himmel. Es ist wie eine innere Verbindung mit äußerer Verwurzelung. Der Sommer lädt uns alle ein, den Himmel über uns zu sehen und die Wurzel unter uns zu spüren. Vielleicht gehen dann viele Dinge leichter und beschwingter. Noch einmal Paul Gerhardt: „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerszeit!“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine helle, weite und gesegnete Sommerzeit!

Letzte Änderung am: 18.06.2018