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RSSPrint

Argumente und Gottvertrauen

Wie Kirche und Politik in Rangsdorf zusammenfinden, um über Themen wie Nächstenliebe und soziale Gerechtigkeit zu reden

Von Pfarrerin Susanne Seehaus, Ev. Pfarrsprengel Rangsdorf

In unseren Kirchengemeinden reden wir viel über Politik. Ganz offiziell in Predigten, informell in Gesprächsrunden oder beim Kaffeetrinken. Dabei bewegen uns Fragen wie: Hat Politik die Schwachen im Blick? Bemüht sich Politik um menschenwürdige Lebensbedingungen? Geht Politik verantwortlich mit der Schöpfung um?

Ganz praktisch begegnet uns Politik in den Menschen, die sich zur Wahl stellen. Oft müssen sie viel aushalten. Angriffe auf ihre Person, persönliche Beleidigungen und den Unmut der Bürger/ Bürgerinnen, der sich besonders gern in den sozialen Medien Bahn bricht. Politiker zu sein, das ist nicht Vergnügungssteuerpflichtig – so sagte es mir mal einer. Aber es geht ja schließlich um unser Gemeinwesen!

Und Kirche? Was machen wir für unser Gemeinwesen? In Rangsdorf versucht die Kirchengemeinde, darauf eine Antwort zu geben. Wir öffnen unser Gemeindezentrum für die Politik. Im „Forum Rangsdorf“ diskutieren wir über Nächstenliebe, Soziale Gerechtigkeit und den Umgang mit den Gütern dieser Welt. Auch die AfD ist dabei. Daran gibt es in Rangsdorf viel Kritik. Darf man sich mit der AfD an einen Tisch setzen? Können wir verhindern, dass wir vereinnahmt werden von menschenverachtenden und rassistischen Gedanken?

Wir halten diese Spannung aus. Mit Gottvertrauen natürlich! Aber was ist das ganz praktisch? Gottvertrauen? Es braucht einen weiten Raum. Es setzt auf den Dialog, auf gute Argumente und die politische Klugheit unserer Bürger und Bürgerinnen.

Und die erlebe ich in Rangsdorf überall. Bei denen, die in Mahnwachen daran erinnern, dass Menschenwürde nicht verhandelbar ist. Bei denen, die jede Woche in der Gemeindevertretung sitzen und sich über Sportstätten, Hortgebäude, Bebauungspläne oder Straßenbaubeiträge unterhalten. Viele haben einen christlichen Hintergrund. Ich treffe sie am Sonntag im Gottesdienst und wir singen und beten zusammen. Viele leiden an den Verhältnissen, wollen etwas ändern, finden sich nicht ab und werfen sich mit ihrer ganzen Person in die politische Debatte. Kirche und Politik – das ist ein weites Feld, wie Fontane sagen würde. Unser Beitrag als Kirchengemeinde in Rangsdorf orientiert sich an den Worten Jesu: "Fürchtet euch nicht! Ich bin bei euch."

Gerhard Schöne, der sensible und so ermutigende ostdeutsche Liedermacher, hat das in seiner Nachdichtung des Chorals „Jesu, meine Freude“ 1987 so ausgedrückt: „Jesu, wahrer Gott. Wer will dich schon hören? Deine Worte stören den gewohnten Trott. Du gefährdest Sicherheit! Du bist Sand im Weltgetriebe. Du mit deiner Liebe. Jesu, Freund der Armen. Groß ist dein Erbarmen mit der kranken Welt. Herrscher gehen unter. Träumer werden munter, die dein Wort erhält. Und wenn ich ganz unten bin, weiß ich dich an meiner Seite, Jesu, meine Freude.“

Für mich als Pfarrerin heißt das: Weite Räume aufmachen, Kontroversen aushalten, Vertrauen wagen, Frieden stiften und gemeinsam träumen. Ein Dankeschön an alle, die sich dem stellen! Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Pfarrerin Susanne Seehaus!

Letzte Änderung am: 15.04.2019