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Ein gutes Motiv fürs Reden und Handeln

Die Kirchen stellen das Jahr 2019 unter das Bibelwort „Suche Frieden und jage ihm nach!“

Von Pfr. Wolfgang Scholz, Ev. Pfarrsprengel Illmersdorf-Meinsdorf-Werbig

Zum Jahreswechsel kursierten in den Medien wieder Berichte über die Prophezeiungen des Nostradamus fürs Jahr 2019. Neben Vorhersagen über positive Entwicklung auf dem Gebiet der Klimaforschung war da unter anderem die Rede von einem Krieg, der „als dritter Weltkrieg in die Geschichte eingehen wird“. Mal ganz abgesehen davon, wie stark oder ob überhaupt man diesen Prophezeiungen glaubt, ist das Thema ja tatsächlich auch in diesem Jahr wieder aktuell. So viele Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen gibt es derzeit auf der Welt, dass eine Ausbreitung auf größere Gebiete niemals ausgeschlossen werden kann.

Insofern ist das Bibelwort aus dem 34. Psalm, das uns als Jahreslosung durch 2019 begleitet, auch ganz aktuell, wenn es da heißt: „Suche Frieden und jage ihm nach!“. Vielleicht mag die Formulierung manchem zunächst anstößig erscheinen; den Frieden zu suchen ist ja noch ganz okay, aber ihm nachzujagen? Das klingt nach hechelnder Zunge und Atemlosigkeit und gerade so, als ob der Friede etwas sei, was uns immer wieder entschwindet, wenn wir meinen, ihn ergriffen zu haben. Und das kann frustrierend erscheinen.

Aber tatsächlich ist es doch auch richtig: Frieden ist nichts, was einmal erreicht, dann für immer bleibt. Das haben wir in der Geschichte der Menschheit immer wieder erfahren müssen. Frieden ist und bleibt etwas Zerbrechliches und leicht Flüchtiges.

In einem Motiv zur Jahreslosung wird das deutlich gemacht. Da sehen wir zwei gen Himmel gereckte Hände, die eine weiße Taube aufsteigen lassen. Nicht erst seit dem Bild von Picasso ist die weiße Taube ein Symbol des Friedens geworden, aber seit dieser Zeit assoziieren die meisten Menschen mit einer weißen Taube auch Vorstellung von der Friedenstaube. Für mich sagt dieses Bild aus, dass ich den Frieden nicht einfach festhalten kann – auch wenn ich ihn vielleicht im Moment ganz bei mir spüre. Er muss sich auch immer wieder frei bewegen können, eben wie die Taube. Das heißt: Frieden gibt es nicht einfach nur individuell und für mich, sondern er ist immer in Beziehung zu anderen zu sehen. Nur dann kann er auch um sich greifen und sich ausbreiten.

Wenn das stimmt, dann heißt das aber auch, dass man immer wieder neu danach fragen muss, was jetzt dem Frieden dient oder was ihn behindert. Und da fange ich bei mir selbst an zu suchen: Sind die Worte, die ich rede, dazu angetan, dem Frieden zu dienen oder schaffen sie Abgrenzung und Distanz? Bringe ich genug Toleranz auf, andere Meinungen zumindest zu prüfen, ohne sie gleich als falsch einzustufen. Kann ich im Gespräch bleiben auch mit Menschen, die nicht „auf meiner Wellenlänge schwimmen“? Es geht also nicht um einen „faulen“ Frieden, nur um des „lieben“ Friedens willen, sondern schon um einen dauernden Prozess des Nachdenkens, Miteinander-Redens und Aufeinander-Hörens.

Und das scheint mir eben genau in der Jahreslosung angesprochen zu sein; den Frieden immer wieder neu zu suchen und dann auch dranbleiben, weil sich die Welt um mich herum ständig verändert. Da muss ich dem Frieden auch manchmal „nachjagen“, aber nicht atemlos, sondern zielgerichtet und konzentriert. In diesem Sinne wünsche ich uns, dass wir 2019 erfahren können, dass unser Leben nicht determiniert ist durch Prophezeiungen aus alter Zeit, sondern unter Gottes Begleitung und Zusagen steht und dass es an uns selbst liegt, ob es ein friedliches Jahr wird. „Suche den Frieden und jage ihm nach“ kann ein gutes Grundmotiv sein für mein Reden und Handeln nicht nur dieses Jahr. 

Letzte Änderung am: 14.01.2019