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RSSPrint

Jeder darf kommen, sehen und teilhaben

Das Vertrauen in Gott ist ein Schatz, den Menschen überall auf der Welt miteinander teilen

Von Pfarrerin Britta Rostalsky, Ev. Pfarrsprengel Rosenthal und Wildau-Wentdorf 

Ich habe meine Schatzkiste geöffnet. Jeder darf kommen, sehen und teilhaben. Mein Schatz ist so schön, ich kann ihn nicht für mich behalten. Mein Schatz wird noch schöner, wenn ich ihn mit Menschen teilen kann. Mein Schatz ist das Vertrauen in Gott.

Aber es gibt viele, sehr viele, die an meinem Schatz achtlos vorübergehen. Sie verlachen ihn sogar, wollen ihn nicht mit mir teilen. Mit diesem Schatz kannst du dir nichts kaufen, sagen sie und dann sind sie damit fertig. Ach, was ihnen da entgeht! Ihre Achtlosigkeit bindet sie an die Geschäfte, die schief- gehen, an das Blendwerk, mit dem man sie einlullen will.

Doch einer singt von seinem Schatz. Nichts ist schöner, nichts ist höher als mein Gott. Und aus seinem Gesang ist die Liebe zu spüren, die er in diese Worte legt. Er ist aus Ruanda nach Dahme gekommen, um von der Liebe zu seinem Schöpfer zu singen: „Komm mit deinem Feuer in mich, bis du und ich eins sind!“ Sein inniger Gesang berührt uns alle. Er kennt seinen Schatz. Und stellt ihn friedlich zur Verfügung. Hier ist Leben und Liebe und Begegnung zwischen Menschen. Diese Augenblicke sind gesegnet von der Gnade des Höchsten. Danke, junger Mann, dass du extra aus Ruanda gekommen bist und für uns singst.

Danke, dass du deine Geschichte zu uns mitbringst. Du sagst, ich lebe in der Kirche, sie ist meine Familie. Du bietet uns deine Schatzkiste an, warmherzig und offen.

Andere verlieren Mitte und Maß. Treten die Liebe Gottes mit Füßen. Die Selbstentleerung hat in den letzten Tagen auf der großen Bühne ein erschreckendes Beispiel gehabt. Da zelebrierte ausgerechnet ein Innenminister – unglaublich, dass er es wagt, das Amt so zu beschädigen – seine Eitelkeit und Rechthaberei auf Kosten der Menschen, die Zukunft und Gastrecht suchen. Er entleert die Bedeutung der Buchstaben seiner Partei. Christlich ist das schon lange nicht mehr, sozial auch nicht, und nun zerfällt auch die Union. Statt von den Schicksalen derer zu berichten, die zwangsweise ins Flugzeug nach Afghanistan gesetzt wurden, brüstet sich einer mit einer Zahl, die er als Trophäe seiner Unmenschlichkeit kokett auf sein Alter bezieht.

Widerwärtig ist das. Diese Rede, die Geflüchtete entmenschlichen will und zu Strömen und Gefahren ummünzt, ist nicht gesegnet, sondern schuldbeladen, dass es zum Himmel schreit. Ich habe einen Schatz gefunden, ein Mädchen aus Eritrea, das sich auf die Hand den Namen Jesus hat tätowieren lassen. Ihr Glaube hat ihr geholfen, unmenschliche Qualen zu überstehen. Ihr Glaube hat sie mir zur Schwester gemacht, gemeinsam haben wir Gott gedankt für ihr Leben, das am seidenen Faden hing.

Gemeinsam haben wir gedankt, für mein Leben, das ich so unverdient ruhig und friedlich in der Mitte Europas verbringen darf. „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war und von einem Mann entdeckt wurde. Der Mann freute sich so sehr, dass er, nachdem er den Schatz wieder vergraben hatte, alles verkaufte, was er besaß, und dafür den Acker kaufte. Mit dem Himmelreich ist es auch wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte dafür diese eine Perle.“ (Mathäus 13,44 - 46)

Ich habe meine Schatzkiste geöffnet. Jeder darf kommen und teilhaben. Mein Schatz ist so schön, ich kann ihn nicht für mich behalten. Er wird noch schöner, wenn ich ihn teilen kann. Es gibt Menschen, die ihn schätzen. Überall auf der Welt.

Letzte Änderung am: 13.08.2018