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RSSPrint

Die Frage nach dem Warum

Seit Anbeginn bemühen sich Glaubende, den Widerspruch zwischen dem liebenden Gott und den schweren menschlichen Prüfungen zu überbrücken.

Von Pfn. Mahleen Mahlow, Ev. Kirchenkreis Berlin-Neukölln

Ich gehe in Gedanken zurück zu meinem letzten Artikel in der MAZ. Das war im Juli vergangenen Jahres. Darin schrieb ich von einem geplanten Konzertbesuch mit Freundinnen. Darin schrieb ich von einem geplanten Konzertbesuch mit Freundinnen.

An dem Samstagmorgen, an dem mein der Beitrag in der MAZ erschien, lief ich zusammen mit den zwei besagten Freundinnen zur nahegelegenen kleinen Badestelle. Uns kam ein Nachbarehepaar in ihrem Auto entgegen. Für gewöhnlich nicken wir uns zu. Diesmal war es anders. Der Fahrer sah uns, hielt an und kurbelte die Autofensterscheibe herunter. Ein kurzes Gespräch entstand. Er habe heute schon Zeitung gelesen – ja, auch meine Gedanken zum Wochenende. In seinem Gesicht lagen Freundlichkeit und Interesse. Ich erzählte, dass die beiden Begleiterinnen die besagten Konzertfreundinnen sind und er ja nun wisse, was ich heute so vorhabe. Herr G. war gerade unterwegs zu einer Familienfeier, Autobahn fahren läge vor ihnen. Wir wünschten uns ein gutes Wochenende und unsere Wege trennten sich.

Ich wusste nicht viel über den Mann aus der Nachbarschaft. Er war wohl Fußballfan, denn eine Mannschaftsflagge wehte in seinem Garten. Er war passionierter Radrennfahrer und dann in seiner Radmontur kaum zu erkennen. Er hielt sein Grundstück in bester Ordnung und er liebte die Berge sehr, im Sommer und noch mehr im Winter zum Skifahren. Einige Wochen später erreichte mich die Nachricht, Herr G. während einer Wanderung in den österreichischen Bergen tödlich verunglückt ist.

In diesen Tagen erinnere ich mich zurück an ihn und unsere kurze Begegnung auf der Straße. Und an die Fragen, die durch den Unfalltod aufgeworfen wurden. Das Fragen nach Gott und dem warum dieses Unglück passierte. Warum hat Gott da nicht seine schützende Hand über Herrn G. gehalten, so wie versprochen? Seit Anbeginn bemühen sich Glaubende, diesen Widerspruch zwischen dem liebenden Gott und den schweren menschlichen Prüfungen zu überbrücken. Ein Satz aus der Bibel hilft mir, Trauriges, Unfassbares einzuordnen. Gott spricht: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine; sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. (Jesaja 55,8-9).

Ich lebe in einer Welt, in der es keine Sicherheiten gibt. Leider. Kein Arzt, keine Ärztin der Welt kann uns eine Gesundheitssicherheit geben. Ich lebe in einer Welt, in der Waldbrände den geliebten Brandenburger Kiefernwald zerstören, in der Menschen sich gegenseitig schaden. Eine Welt die so viele Wunder hervorbringt und in der Menschen sich gegenseitig stärken. Ich lebe in einer Welt, in der Freude und Leid dazugehören.

In meinem Glauben bin ich herausgefordert, mein Bild von Gott nicht auf Gut und Böse zu reduzieren. Es geht vielmehr um das Vertrauen auf seine Begleitung, um den Glauben an seinem Dasein, seinem liebevollen Blick auf mich in allem, was mich ausmacht und mich herausfordert. Diese Gedanken zum Wochenende sind Ausdruck meiner Gotteserfahrung. Leben und das Leben verstehen gehen für mich nicht ohne ein Weiterdenken und ein Weiterglauben.

Irgendwann ist mein Beitrag nicht mehr so wichtig. Und es geschehen nach diesem Samstagmorgen Dinge, bei Ihnen, bei mir, traurige oder fröhliche. Ich öffne die Hand und mein Herz und vertraue darauf, dass wird, was kommen soll. Gott ist dabei.

 

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Seit diesem Jahr beteiligen sich auch Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Ev. Kirchenkreis Berlin-Neukölln, die im Einzugsgebiet der MAZ arbeiten, an der wöchentlichen Kolumne. 

Letzte Änderung am: 01.07.2019