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Die erste Hilfe von göttlicher Seite

Egal wie kurz ein Gebet ausfällt, wer es bewusst macht, ist schon auf dem Weg, dieser Stunde, diesem Tag und seinem Leben etwas Anderes, Neues oder Alt-Vertrautes zu geben.

Von Pfarrer Tobias Kampf, Pfarrsprengel Nuthe-Fläming

Not lehrt Beten! Viele beten zurzeit allein, in den Familien und am Bildschirm. Die Not ist groß, allerdings befinden sich nur wenige in akuter Lebensgefahr. Die Versorgung mit dem Lebensnotwendigen ist gesichert und doch empfinden viele den veränderten Alltag als bedrohlich. „Normalität“ ist Wunsch und Realität zugleich. Es ist „normal“, dass Kinder in ihren Familien zuhause sind und doch wünschen sich viele, dass Kinder in Klassenräumen ihre Zeit zubringen. Es ist „normal“, die nötigen Lebensmittel einkaufen zu können, das bekannte „Shopping“ sieht für viele aber anders aus. Telefon und Video wird viel stärker genutzt, aber andere Menschen „ohne Medium“ hören und sehen, ganz zu schweigen von spüren, wird zum unschätzbaren Wert.

„Not lehrt Beten!“ – „Hoffentlich!“, antworten viele Gläubige, denn es hilft gegen die Angst, keinen Alltag mehr erwarten zu können, gegen das Ohnmachtsgefühl in einer Welt aus Technik und Vereinsamung. Egal wie kurz ein Gebet ausfällt, wer es bewusst macht, ist schon auf dem Weg, dieser Stunde, diesem Tag und seinem Leben etwas Anderes, Neues und/oder etwas Alt-Vertrautes zu geben. Wer betet, braucht Kraft, selbst bei körperlicher und geistiger Gesundheit. Es kann ja immer was passieren.

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man bekommt.“ Mit diesem Motto meisterte der Filmheld Forrest Gump sein Leben, wo er nur wenige Entscheidungen selbst traf, sondern viel mehr in besonderen Momenten sich mit anderen freute oder auch mit ihnen litt. Wo bei dem Neuen im Leben die Freude überwiegt und die Angst verfliegt, kommt der Mensch dem sehr nahe, was schon Jesus in seinen Gleichnissen mit Lebensfreude darstellte. Ein Mensch findet einen Schatz im Acker oder eine kostbare Perle – und tut etwas seltsam Wunderbares, um seiner Freude Ausdruck zu verleihen. In Jesu Augen kommt Gott diesen Menschen ganz nah – oder umgekehrt: Sie verhalten sich so, wie Gott es für sie gemeint hat.

Wer betet, ist mutig, auch wenn es anderen so scheint, als ob man sein Leben nicht im Griff hat und es nicht meistern könnte. Mutig ist die Person, die gerne in besonderen Situationen die Hilfe anderer annimmt, weil sie weiß, dass kein Mensch alles kann. Hoffentlich zuerst die Hilfe dessen, an den das Gebet gerichtet ist. Das bringt zwar noch keinen Hilfstrupp in Bewegung, aber die erste Hilfe von göttlicher Seite stärkt das mentale Immunsystem spürbar.

Der inhaftierte Theologe Dietrich Bonhoeffer (4. Februar 1906–9. April 1945) ließ alle Welt auf kleinen Zetteln wissen, dass er an dem Gebet festhält, das ihm seine Peiniger nicht entreißen konnten. Er wusste sich geborgen bei Gott, dem gegenüber auch der nahe Tod machtlos ist.

Wer betet, vertraut auf die Botschaften derer, die das schon seit Generationen tun. Sie gaben weiter, dass Gott zu den Menschen spricht: „Der Mensch ruft mich an, darum will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not.“ Das kann kein technisches Gerät herstellen und keine Verordnung aufhalten.

Das Virus „Gebet“ gehört für mich zur Gesundheit des Menschen und ist zu empfehlen.

Letzte Änderung am: 22.02.2021