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Diakonie leben

Es ist der gemeindliche Auftrag, auf die Suche zu gehen, wo Nächstenliebe und Menschlichkeit erwartungsvoll herbeigesehnt werden.

Von Pfarrer Hartmut Hochbaum, Kirchengemeinde Motzen und Kreisdiakoniepfarrer

Der Monat September eines jeden Jahres wird in vielen Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen als „Monat der Diakonie“ begangen. Gottesdienste, Feste, Gemeindeveranstaltungen und Ausstellungen widmen sich besonders in diesem Monat dem diakonischen Handeln der Kirche. Sicherlich hat der eine oder andere von uns bereits Begegnungen mit ‚der Diakonie‘ gehabt. Längst verbirgt sich ja hinter dem sogenannten „Kronenkreuz“ nicht mehr nur die Hauskrankenpflege oder große Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, sondern auch Krankenhäuser, Kindergärten oder Begegnungszentren und vieles mehr. Vielleicht haben Sie ja hier oder dort auch schon die Autos mit dem Kronenkreuz gesehen oder waren selbst einmal in einer Einrichtung der Diakonie.

Wie hat alles angefangen? Wir blicken auf eine über 170-jährige Geschichte zurück. Damals, September 1848, hat Johann Hinrich Wichern, der bereits über 15 Jahre in Hamburg ein Haus für verarmte und verwahrloste Kinder führte (das Rauhe Haus), eine sehr emotionale Rede auf dem Kirchentag zu Wittenberg gehalten und an die soziale und vor allem christliche Verantwortung der Kirche appelliert; in der Folge wurde die sogenannte Innere Mission gegründet, die Vorläuferin des heutigen diakonischen Werkes.

In den folgenden Jahrzehnten widmete sich die diakonische Arbeit vor allem den Kranken, Armen und Menschen mit Behinderungen. Mittlerweile ist jedoch die diakonische Arbeit deutlich vielfältiger geworden und wird in der Regel über diakonische Werke (in Kirchenkreisen oder Landeskirchen) organisiert und inhaltlich ausgestaltet. Das ist sinnvoll und gut, weil einzelne Kirchengemeinden längst nicht mehr dazu in der Lage sind, da die Vielfalt der Aufgaben die Kräfte und Möglichkeiten einer Gemeinde übersteigen.

Erinnern Sie sich noch an die Gemeindeschwester? Diese Zeit ist tatsächlich Vergangenheit. Diakonische Arbeit ist heute auch ein wirtschaftlicher Faktor geworden. Damit gleicht die Diakonie anderen Sozialverbänden. Auf der anderen Seite erinnert das Kronenkreuz daran, dass Diakonie nicht allein unter einem wirtschaftlichen Aspekt zu betrachten ist, sondern gerade und vor allem unter dem Kreuz Jesu Christi arbeitet. Heißt: Hier möge es in erster Linie um den Menschen gehen, um seine Nöte, seine Sorgen, seine Bedürfnisse, seine Ängste. Der biblische Begriff von der Nächstenliebe darf bei allem Zeitdruck, unter dem oft diakonische Mitarbeiter stehen, und den finanziellen Abwägungen nicht verloren gehen. Das Kronenkreuz mahnt, Herz und Seele sprechen zu lassen.

In den vielfachen Herausforderungen, der sich die soziale Arbeit gegenwärtig gegenübersieht, ist es nicht immer leicht, für die Menschenfreundlichkeit Gottes tatsächlich ausreichend Zeit zu haben, um sie weiterzureichen. Aber Diakonie ist ja mitnichten nur eine Angelegenheit von diakonischen Werken und Einrichtungen. Auch Kirchengemeinden sind selbstverständlich angesprochen, Brücken hin zu denen zu bauen, die sich über einen Besuch freuen, die reden möchten, die sich einen Zuhörenden wünschen, die eingeladen werden möchten, um sich mit anderen Menschen auszutauschen. Diakonie in der Gemeinde darf nicht ausgespart werden. Die professionelle, pflegerische Arbeit wird auch in Zukunft von Sozialstationen und Pflegediensten gut geleistet werden können und müssen.

Aber begleitend sind auch die Gemeinden gefragt; sie kennen die Möglichkeiten des Treffens, der Unterstützungen, der ganz persönlichen Kontakte. Mein Plädoyer: Lebt Diakonie in den Gemeinden. Es gibt sie überall, die Menschen, die auf den Anruf warten, die nicht immer nur vergeblich den Briefkasten öffnen wollen oder die extra die Klingel haben reparieren lassen, weil sie hoffen, dass sie doch mal benutzt wird. Jesus hat einmal gesagt: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern (und sicherlich auch Schwestern), das habt ihr mir getan (Matthäusevangelium Kap. 25, Vers 40). Insofern bleibt diakonisches Handeln ein gemeindlicher Auftrag.

Ich möchte Ihnen Mut machen, Ihre Gemeindeleitung darauf hin anzusprechen. Vielleicht lässt sich doch noch in diesem oder dem kommenden Monat ein kleines Fest organisieren oder auf die Suche zu gehen, wo Nächstenliebe und Menschlichkeit erwartungsvoll herbeigesehnt werden. Das Kronenkreuz wird auch in Zukunft die große diakonische Arbeit begleiten und daran erinnern, wer der eigentliche ‚Auftraggeber‘ dieses Handelns ist.

Letzte Änderung am: 21.09.2020