Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

Im Spiel Grenzen überschreiten, um auf andere Gedanken zu kommen

Erwachsene gewinnen für den Alltag, sich selbst und den Beruf viel, wenn sie miteinander spielen.

Von Pfarrer Christian Guth, Ev. Kirchengemeinde Zossen

Als ich dieser Tage mit meiner Tochter spielte, entspann sich so etwas wie ein Dialog: Hielt ich Blickkontakt, zog gemeinsam mit ihr an ihrem Kuscheltier, streckte meine Hände zu den ihren, lachte sie an oder nahm sie in den Arm, war alles schön. Legte ich sie ab, entfernte ich mich oder überließ sie auch nur ihrem in sich selbst verträumten Spiel, bemerkte sie die Abwesenheit bald und war sich selbst auch nicht mehr genug.

Was war geschehen? Spielen alleine macht auch viel Freude. Kinder spielen manchmal gern allein, Erwachsene übrigens auch – auch wenn wir das Wort „spielen“ nicht so oft in diesem Bezug verwenden. Gemeinsam aber geschieht viel mehr: Die Interaktion von Menschen gewinnt mit spielerischen Elementen Leichtigkeit und Freude – und hierin entdecken wir uns einander besser, testen uns gegenseitig, veralbern uns und lernen uns so besser kennen.

Das ist der Grund, weshalb wir Erwachsenen öfter miteinander spielen sollten – am besten nicht bloß mit den Liebsten zu Hause am Tisch (auch wenn Brettspiele häufig eine geniale Bereicherung für unseren Verstand sind – Stichwort ‚Mensch, ärgere dich nicht’) – Erwachsene gewinnen für den Alltag, sich selbst und den Beruf viel, wenn sie miteinander spielen.

Nicht umsonst gehen Menschen in Coaching-Seminaren mit ihren Kolleginnen und Kollegen über Kohlen oder seilen sich ab. Teambuilding arbeitet mit dem Spiel von Erwachsenen, weil wir im spielerischen Überschreiten unserer Grenzen diese überwinden, ohne sie zu verletzen. Das Spiel ist an einem bestimmten Punkt aus, die Grenze wieder da – aber die Erfahrung, die Welt (das Team, die Familie, sich selbst) einmal aus einer Welt von jenseits der Grenze gesehen zu haben, die bleibt.

Ich glaube als Christ, dass sich viel erbitterter Streit, selbst Krieg oder Blutvergießen in Familien verhindern ließe, wenn wir nur mehr „spielten“ und uns erlaubten, im Spiel Grenzen zu überschreiten, um uns auf andere Gedanken zu bringen und gleichzeitig Verständnis für unser Gegenüber zu entwickeln. Dann könnten wir Böses mit Gutem überwinden. Vielleicht ist das eine Utopie, aber Spielen wagt sich ja gerade gern ins Utopische vor.

Während ich das schreibe, schläft meine Tochter übrigens. Das ist wichtig, damit all die vielen Eindrücke aus dem Spiel verarbeitet werden können und wir daraus lernen können, Gutes zu tun.

Wann haben Sie zuletzt miteinander gespielt?

Letzte Änderung am: 29.11.2021