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Einfach mal den Takt ändern

Der Sommerurlaub bietet für viele Menschen die Möglichkeit, sich von den Alltagszwängen frei zu machen.

Von Friedemann Düring, Öffentlichkeitsarbeit und Projekt "Erwachsen glauben", Kirchenkreis Zossen-Fläming

Endlich Ferien, werden viele Kinder denken. Und die Erwachsenen sehnen auch den Urlaub herbei. Die Sommermonate sind für die meisten von uns immer etwas Besonderes. Der Urlaub bietet endlich mehr Zeit für die Familie, mehr Zeit zur Entspannung und zum Krafttanken. Da werden schon lange geplante Reisen endlich umgesetzt, um Neues zu entdecken.

Es ist die Zeit, in der wir auch gerne Alltagszwänge links liegen lassen möchten und wir uns wünschen, dass uns die Trumps, Seehofers und Merkels dieser Welt endlich in Ruhe lassen. Einfach nur noch ganz bei sich sein und das Leben genießen. Man hat es sich ja auch verdient.

Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Auch ich freue mich auf den Urlaub, auf die ausgelassene Zeit ohne Termindruck, auf eine entspannte Zeit mit meiner Familie. Wir brauchen solche Zeiten der Ruhe und des Abstands vom Alltag. Doch gleichzeitig gibt es viel zu viele, denen eine solche Zeit nicht vergönnt ist. Und ich merke schnell, wie privilegiert ich eigentlich bin, dass ich mich so vorbehaltlos auf den Urlaub freuen kann.

Urlaub: in diesem Wort steckt das Wort „Erlaubnis“. In dieser Zeit erlauben wir uns Dinge, die wir uns sonst nicht gönnen. Urlaub ist die Erlaubnis, sich nicht von äußeren Zwängen leiten zu lassen, sich vom Alltagsstress freizumachen und zu sich zu kommen. Dafür muss es nicht unbedingt eine weite Reise sein, ein Badesee in der Umgebung kann dieses Bedürfnis auch stillen, oder ein Spaziergang durch die Weiten der Landschaft, dazu das Zwitschern der Vögel und das Gefühl der Freiheit.

Als Theologe überlege ich natürlich, was in den biblischen Schriften dazu stehen könnte. Klar, zum Thema „Urlaub“ wird man die Bibel vergeblich durchforsten. Das ist ja dann doch eher eine moderne Erfindung. Von Menschen, die unterwegs sind, ist hingegen in der Bibel eine ganze Menge zu lesen. Allerdings befinden sich da Menschen meistens auf der Flucht: vor den Herrschern Ägyptens beispielsweise. Auch die Familie Jesu musste schon kurz nach dessen Geburt aus Bethlehem flüchten – in die andere Richtung nach Ägypten. Das ist dann eher eine Mahnung an uns, offen und bereitwillig Migranten zu empfangen, sie hilft uns aber erst mal nicht im Blick auf unseren Sommerurlaub.

Dann ist schon eher ein Vergleich mit Pilgerreisen angebracht, der religiösen Form des Reisens. Im Buch der Psalmen finden sich einige Lieder, die etwa auf den staubigen Wegen zum Tempel nach Jerusalem gesungen und gebetet wurden. Im Psalm 121 heißt es etwa: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.“

Für Pilgerreisen damals und unseren Urlaub heute gilt: Der Takt ändert sich. Und ich finde es gut, nicht nur daran zu denken, wie die möglichst perfekte Reise aussehen kann. Den Takt zu ändern, das ist auch keine Frage unseres Gelbeutels oder unserer Fantasie, sondern, dass Gott uns dabei begleitet und bewahrt.

Das bedeutet für mich: Wohin auch immer unser Weg führt, wir sind dabei nicht auf uns allein gestellt. Das wünsche ich Ihnen jedenfalls auch dann, wenn Sie nicht auf Reisen gehen können.

Letzte Änderung am: 13.08.2018