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Loben ist besser als zu jammern

Wem es gelingt, Klage in Lob zu verwandeln, der kann über den eigenen Horizont hinausblicken und ist offen für andere.

Von Friedemann Düring, Öffentlichkeitsarbeit und Projekt "Erwachsen glauben", Kirchenkreis Zossen-Fläming

Im Moment scheint es, als laufe vieles aus dem Ruder. Ob Trump, Italien, der Nahe Osten, oder die Art und Weise, wie hierzulande Politik betrieben wird: Es kann einem Angst und Bange werden. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander, Neid und Hass nehmen zu. Und der Klimawandel nimmt auch immer bedrohlichere Formen an. Wer sich die Felder ansieht ahnt es: Die Landwirte können eigentlich ihre Ernte bereits jetzt abschreiben. Und dabei bin ich noch gar nicht bei den ganz persönlichen Sorgen und Schicksalen. Es gäbe mehr als genügend Gründe, angesichts der immer unübersichtlicheren Welt in Klage und Protest einzustimmen.

Und manchmal ist das auch sehr gut so. Manchmal geht es einfach nicht anders, dann muss man sich Luft machen. Die Klage, das Aussprechen von Leiderfahrung, von persönlichen Ängsten und Sorgen, der Wut ist wichtig. Das würde jede Psychologin, jeder Psychologe dick unterstreichen.

Auch im Christentum gibt es dafür viele Vorbilder: In der Bibel etwa sind aus dem Judentum viele Gebete und Lieder überliefert, die sogenannten Klagepsalmen. In ihnen wird das eigene Leiden, die Angst vor dem Tod, vor Feinden, das Gefühl von Gottverlassenheit zur Sprache gebracht. Aber wer sich diese Psalmen genauer ansieht, entdeckt eine Veränderung innerhalb der Gebete. Die Klage wandelt sich in Hoffnung und Zuversicht; das Vertrauen kehrt zurück, dass Gott einen im eigenen Leiden nicht allein lässt. Oft kann am Ende sogar ein Lob auf den wunderbaren Gott stehen, der Leben schafft und erhält.

Oder ein anderes Beispiel: Der Liederdichter und Theologe Paul Gerhardt, der auch einige Jahre in Mittenwalde gelebt hat, konnte in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges das wunderbare Sommerlied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ dichten. Als weite Teile Europas verwüstet wurden, Menschen unvorstellbarer Gewalt und Schrecken ausgesetzt waren, stimmte Gerhardt ein unvergleichliches Lob auf den Schöpfergott an.

Klingt das Ihnen zu fromm oder zu weltfremd? – Vielleicht ist es das auch ein Stück weit. Zumindest kann ich gut nachvollziehen, dass vielen eine solche Haltung nicht ganz geheuer ist. Aber neulich habe ich einen Satz gehört, der mich seitdem beschäftigt: „Gott zu loben, ist besser als zu jammern.“ Wer immer nur über die Zustände klagt, wer immer nur an das denkt, was schlecht läuft, für den wird das eigene Leben oft unerträglich. Die Unzufriedenheit wächst und führt oft in eine Spirale aus Neid und der Verurteilung derer, denen es angeblich auf meine Kosten besser geht.

Ich finde, es ist keine Schönfärberei, wenn man auch in schwierigen Situationen eine andere Dimension des Lebens in den Blick nehmen kann. Den Blick zu heben, auf Gott und einen Lebenssinn, der alle Vorstellungskraft übersteigt. Und wem es gelingt, die Klage in ein Lob zu wandeln, der wird auch offen für andere. Der oder dem gelingt es, über den eigenen Horizont hinauszublicken. Loben ist besser als jammern: Und wenn Gott nicht der Adressat für Sie ist, dann freuen Sie sich doch einmal über das, was gelingt, oder über Menschen, die für Sie da sind. Dann ist es auch nicht mehr weit zum Lob.

Letzte Änderung am: 18.06.2018