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Die Geschichte vom verlorenen Sohn

Zum biblischen Hintergrund der Aufführung des Kindermusicals vom Kinderchor des Kirchenkreises Zossen-Fläming

Von Pfarrer Bernd Dechant, Kirchengemeinde Ludwigsfelde 

Es war einmal. So beginnen Märchen. Aber manchmal auch biblische Geschichten. So wird im Evangelium nach Lukas im 15. Kapitel erzählt: Es war ein Mann, gütig und voller Liebe. Dieser Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen ließ sich sein Erbteil auszahlen und ging ins Ausland. Er suchte die große Freiheit, er sehnte sich nach fernen Ländern, in denen er Abenteuer erleben wollte. Aber er hatte kein Glück in der Fremde und brachte mit Prostituierten, Saufgelagen und Glücksspiel sein ganzes Vermögen durch. Ganz unten angekommen, fragte er sich, was er nun tun solle. Sollte er nach Hause zurückkehren? Aber wird man dort für ihn Verständnis haben? Wird man ihn nicht auslachen oder zurückweisen, den Gescheiterten, den Verlierer?

So viele Menschen aus fernen Ländern suchen in der Fremde ihr Glück. Und wenn sie nicht Erfolg haben, trauen sie sich nicht wieder nach Hause. Als unser junger Mann ganz unten angekommen war, musste er Schweine hüten. Damit fällt er heraus aus dem Gesetz und der Ordnung seines Volkes und seiner Familie. Er erinnert sich, dass selbst die Tagelöhner seines Vaters ein besseres Leben haben als er. Seine Lage lässt ihn aus der Selbstverlorenheit herausfinden. Der Entschluss, zurückzukehren, wächst in ihm und die Bereitschaft, die eigene Verfehlung einzugestehen. Diese Verfehlung, die ihn ins Elend gebracht hat, ist zugleich Schuld vor dem Vater wie Sünde vor Gott. In Gedanken formuliert er ein Bekenntnis seiner Schuld: „Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir“. Sohn kann er nicht mehr sein, so glaubt er. Aber vielleicht kann er Aufnahme als Tagelöhner finden. So macht er sich auf in sein Vaterhaus. Doch nun geschieht das Unerwartete. Der Vater erkennt ihn, als er noch weit weg ist und eilt ihm entgegen. Er schließt ihn in die Arme und küsst ihn. Noch ehe der Sohn vor ihm niederfallen, sein Bekenntnis stammeln und um Vergebung nachsuchen kann, nimmt er ihn mit diesen Zeichen als seinen Sohn wieder auf. Der Sohn sagt sein Bekenntnis auf. Die Antwort des Vaters aber erfolgt in zeichenhaften Handlungen. Er ordnet die Herbeischaffung eines Festgewandes an. Ein Fest voller Fröhlichkeit soll beginnen. Denn, so drückt es der Vater aus: „Dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden worden“.

Der vom Feld heimkommende Bruder hört den Festlärm und will nicht ins Haus gehen. So geht der Vater zu ihm hinaus. Stumm lässt er alle Anklagen des älteren Sohnes über sich ergehen. Aber dann weist er ihn darauf hin, dass sie doch bisher das Leben geteilt haben, dass ihnen alles gemeinsam ist. Und er lädt ihn ein zur Mitfreude. Das Fest ist keine Belohnung für den verlorenen Sohn, sondern Ausdruck der Freude darüber, dass er zurückgekommen ist. Es ist die Freude über ein Leben, das ganz neu beginnen kann. Der Leser, der Hörer der Geschichte ist aufgefordert, sich zu entscheiden. Kann in mir die Mitfreude Platz haben? Oder stehe ich wie der Ältere draußen vor dem Vaterhaus und kann meinen Neid und meine Wut nicht bezwingen? Kann ich, wenn ich Schuld auf mich lade, den Weg zum Vater, zu Gott finden oder bleibe ich verloren in meiner Selbstbezogenheit? „Gott vergibt und wer ihn sucht, findet bei ihm ein Zuhause, denn das Vaterhaus, das wir bei Gott haben, ist nicht aus Steinen, sondern aus Liebe gebaut“.

Das war die Erkenntnis, die den Kindern der Kindersingwoche des Kirchenkreises Zossen-Fläming aus der Beschäftigung mit dieser Geschichte erwachsen ist. Sie haben das Gleichnis vom verlorenen Sohn als Musical einstudiert, welches heute, am Samstag, in St. Michael in Ludwigsfelde, und am Sonntag in der St. Moritz Kirche in Mittenwalde zu sehen ist. Beginn ist um 16 Uhr.

Letzte Änderung am: 12.08.2019