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Protesttag gegen den Tod

Von Gemeindediakonin Christina Kampf, Pfarrsprengel Im Niederen Fläming

2983 Namen von Menschen zeugen im südlichen Manhattan von dem wohl größten Trauma der USA, dem Terrorangriff auf das World Trade Center, heute vor 20 Jahren. Menschen aller Kulturen und Nationalitäten, Amerikaner:innen und Ausländer:innen, die nicht der Namenlosigkeit preisgegeben werden, sind hier verzeichnet. Man soll sich erinnern und gedenken.

Und Amerika lässt sich das was kosten, hat nach dem Aufräumen in Folge des 11. September 2001 von 2006-2014 an diesem Areal gearbeitet. Es wurde Gedenkstätte, Museum und Mausoleum, reicht tief hinunter bis ins Fundament der alten Zwillingstürme. Auf einem der lukrativsten Baugründe der Welt geht es um Menschen, die dramatisch ums Leben gekommen sind und in lebendiger Erinnerung bleiben sollen. Ihr Tod ist nicht nur ein Trauma für die Angehörigen, sondern für die ganze Welt, die den Traum von Freiheit und Frieden zu leben glaubte.

Vor fünf Jahren am Ort des Geschehens, ging mir dieses Gedenken unter die Haut. Hier wird protestiert gegen den Tod. Mit dem Festhalten jedes einzelnen Namens und den dramatischen Umständen ihres gewaltsamen Todes überlässt man sie nicht dem Vergessen.

Die Pandemie hat weltweit Millionen Todesopfer gefordert. Über Klimatote gibt es unterschiedlichste Angaben ebenso wie über Kriegs- und Terroropfer, sie sind so viele, dass sie zumeist namenlos bleiben und fern; mit Schmerzen erinnern sich vielleicht die eigenen Angehörigen, wenn sie es zulassen können.

Vor kurzem sind 180 Menschen im Westen Deutschlands durch Hochwasser an vermeintlich friedlichen Bächen umgekommen. In dieser Zeitung stehen Anzeigen mit Namen von individuellen Menschen, die vor Kurzem aus dieser Welt gegangen sind. Tod ist unberechenbar, allgegenwärtig und groß.

Wo Menschen Monumente und Gedenkstätten errichten, ist Platz für heilsame Erinnerung. Immanuel Kant, dem großen Denker der Aufklärung, wird zugeschrieben: "Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird." Erinnerung kann ein sichtbarer Protest gegen den Tod sein.

In den evangelischen Kirchen hören wir am Sonntag: „Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht.“ (Die Bibel, 2. Timotheus 1,10) Dieser Protest gegen den Tod ist radikal. Jesus hat dafür eingestanden mit beeindruckenden Taten: Er hat Menschen auferweckt zu neuem Leben, leibhaftig oder durch Heilungen, durch seelische Entlastung und Vergebung von Schuld. Und Christus selbst wurde auferweckt zu neuem Leben. Diese Erzählungen haben Kraft bis heute, denn Gott steht zu seinem Wort. Er steht zum Leben und gibt niemanden verloren. Er ist größer als der Tod.

Letzte Änderung am: 20.09.2021