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Ohne Ehrenamtler geht es nicht

Bei den Feierlichkeiten zum Festjahr in Königs Wusterhausen wirken zahlreiche Freiwillige mit und opfern Freizeit und Geld.

Von Pfarrer Ingo Arndt, Ev. Kirchengemeinde Königs Wusterhausen

Das Festjahr zu 700 Jahren Königs Wusterhausen wurde am 4. Januar feierlich auf dem Kirchplatz eröffnet. Es wird ein Jahr mit vielen Höhepunkten und man darf sich schon auf das Stadtfest am 5. September freuen. Ein Serenadenkonzert am Vorabend in der Kreuzkirche wird die Feierlichkeiten eröffnen. Doch die Liste der Jubiläen in der Stadt ist viel länger. Firmen, die nach der Wende neu gegründet wurden, feiern 30-jähriges Bestehen. Vor 100 Jahren wurde Rundfunkgeschichte auf dem Funkerberg geschrieben. 25 Jahre zuvor gründete sich die Kantorei der Kreuzkirche und zehn Jahre nach der ersten Rundfunksendung wurde der Posaunenchor Königs Wusterhausen ins Leben gerufen.

Doch ein Ereignis im Rahmen des Festjahres haben wir schon vor einer Woche mit einer Reihe außergewöhnlicher Konzerte gefeiert: zehn Jahre Ahrendorgel in der Kreuzkirche. Der damalige Bürgermeister Franzke verband mit der Orgelweihe den Wunsch, dass die Stadt mit diesem wunderbaren Instrument weit über Brandenburg hinaus bekannt wird und sich zu einer Musik- und Kulturstadt weiterentwickelt. Zehn Jahre sind ein guter Zeitraum, ein Resümee zu ziehen. Was wurde vor mehr als zehn Jahren nicht alles in Bewegung gesetzt! Die Gemeindeleitung beschloss 2003 mutig, statt einer weiteren Reparatur eine neue Barockorgel zu bauen. Und man entschied sich für Nachhaltigkeit und nicht für die Billigvariante. Die Orgel wurde so wertig gebaut, dass in den letzten zehn Jahren keinerlei Reparaturen nötig waren. Nur hat Nachhaltigkeit natürlich immer auch ihren Preis. 400 000 Euro mussten aufgebracht werden. Natürlich fanden sich öffentliche Fördertöpfe und Stiftungen, die sich für das Projekt begeistern ließen. Doch am Ende waren es private Einzelspender, die 240 000 Euro zusammenbrachten. Mit viel Fantasie wurden Benefizkonzerte veranstaltet, die lange Nacht der Musik öffnete ihre Tore, sogar ein Drehorgelorchester aus Ostfriesland trat auf. Patenschaften für einzelne Orgelpfeifen konnten übernommen werden und die Orgelpfeifen der alten Dinse-Orgel, die käuflich erworben wurden, zieren heute so manche Wohnung in und um Königs Wusterhausen. Am Ende konnte die Orgel am 17. Januar 2010 eingeweiht werden.

Sicher, bis heute ist die Zahl der Orgelliebhaber nicht gewachsen. Auch wenn eine Orgel als Königin der Instrumente bezeichnet wird, hat sie keine Chancen gegen die aktuellen Königinnen und Könige der Schlager- und Popmusik. Unsere Ohren geben sich mit den tiefen Tönen einer Orgel schon lange nicht mehr zufrieden. Elektronische Sounds kommen tiefer. Und auch die ganz hohen Pfeifen strengen uns beim Zuhören eher an. Dazu wirkt die Orgel in der Kreuzkirche fast klein. Doch die Qualität der Orgel hat sich unter Organisten herumgesprochen. So gastierten in den letzten zehn Jahren namhafte Musiker aus ganz Europa. Und viele gaben an, wiederkommen zu wollen. Gefeiert haben wir mit dem Orgeljubiläum nicht nur unsere Orgel, sondern auch das Engagement vieler Ehrenamtlicher. Denn eine Orgel ist zunächst nur ein einsames Musikinstrument. Sie lebt von Organisten, die sie spielen. Das müssen nicht immer Profis sein. So mancher Ehrenamtlicher ließ sich ansprechen, um bei Gottesdiensten zu spielen. Es könnten noch viel mehr werden! Dann ließe sich durch unsere Kantorin Frau Scheetz sicher Unterricht organisieren. Und was wären alle die Konzerte ohne Ehrenamtliche, die Plakate drucken, Programme verteilen, sich um das Wohl der Konzertgäste und Musiker kümmern, die Zeit und Geld opfern, damit sich weiter herumspricht, was für eine aufregende Kultur- und Musikstadt Königs Wusterhausen mit seiner Kreuzkirche und der Ahrendorgel ist.

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Neben den Mitarbeitenden unseres Kirchenkreises schreiben auch Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem benachbarten Kirchenkreis Berlin-Neukölln an den Gedanken zum Wochenende mit, die im Einzugsbereich der MAZ arbeiten.

Letzte Änderung am: 17.02.2020