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RSSPrint

Einen neuen Blick auf das Leben wagen

Die Fastenzeit ist zur Hälfte vorüber und nur noch wenige Wochen sind es bis Ostern

Von Pfarrer Matthias Wolf, Pfarrsprengel Woltersdorf-Jänickendorf

Haben Sie sich in diesem Jahr auch vorgenommen zu fasten? In der Fastenzeit bis Ostern auf etwas zu verzichten? „7Wochen ohne“ heißt die Fastenaktion der evangelischen Kirche. Die Umfrage einer Krankenkasse ergab, dass 68 Prozent der Befragten in Deutschland auf Alkohol verzichten würden, 59 Prozent auf Süßigkeiten und 39 Prozent auf Fleisch. Es gibt da sicherlich noch viele andere Möglichkeiten, in der Fastenzeit auf etwas zu verzichten.

Ziel dieser Aktion ist sicherlich nicht, dem eigenen Körper Entbehrungen aufzuerlegen. Ziel ist es, sich selber klar zu machen, wie abhängig wir von ganz alltäglichen Dingen sind und wie gedankenlos wir mit bestimmten Dingen umgehen. Eine Zeitlang auf bestimmte Dinge zu verzichten, regt an, bewusst ohne den gedankenlosen Griff zu Alkohol, Süßigkeiten oder Fleisch zu leben. Statt dessen lenken wir unsere Aufmerksamkeit darauf, was wirklich wichtig ist in unserem Leben.

Dieser Sonntag heißt Lätare – freuet euch. In der Mitte der Passions- und Fastenzeit halten wir inne und blicken nach vorn auf das Ziel, auf Ostern. Wir feiern am Sonntag also Bergfest beim Fasten. Die Hälfte ist geschafft. Immer weniger Tage trennen uns von Ostern. Lätare, freuet euch, das wird uns inmitten der Passionszeit gesagt.

Dieser Sonntag wirft einen Lichtschein in die Zeit, in der wir an das Leiden und Sterben von Jesus aus Nazareth denken. Wir werden daran erinnert, dass auf die Passionszeit Ostern folgt. Nicht das Leid behält die Oberhand, sondern der Sieg über das Leid und den Tod. Deshalb: Freuet euch.

Auch unser Fasten kann mit Freude geschehen. Fasten heißt ja nicht,dass ich jetzt etwas nicht mehr darf. Fasten heißt vor allen Dingen, dass ich mir neue Freiräume erschließe. Ich befreie mich von alten Abhängigkeiten und werde so frei für etwas Neues. Ich werde frei, mich anderen Menschen zuzuwenden. Menschen, die jemanden an ihrer Seite nötig haben, weil sie kein Licht in ihrem Leben sehen. Wer sich anderen Menschen zuwendet, bei dem weitet sich der Blick, der lernt: Nicht ich bin Mittelpunkt der Welt. Es gibt auch noch andere Menschen, die ähnlich fühlen wie ich. Das Leben nicht so hinnehmen, wie es kommt. Es überdenken: Was ist mir wirklich wichtig, was nur Angewohnheit, die mein Leben nicht bereichert? Was hält mein Leben auch angesichts der Erfahrung von Leid, Schmerz und Tod?

Die Passionszeit mit ihrer Fastentradition will uns dazu anregen, neu dem Leben nachzuspüren, indem wir auf etwas Liebgewordenes verzichten. Wir werden angeregt, unser Leben zu überdenken. Wir schärfen den Blick für das, was wirklich wichtig ist. Wenn uns dieser neue Blick für unser eigenes Leben gelingt, dann weitet er sich auch für die Sorgen und Nöte der Menschen um uns herum.

„7Wochen ohne Sofort“ heißt eine Fastenaktion in diesem Jahr. Sie regt dazu an, der Ungeduld im eigenen Leben nachzuspüren und macht Mut, auch Zeit zu verlieren. Ich muss nicht auf alle E-Mails sofort reagieren oder in den sozialen Netzwerken immer auf dem neusten Stand sein. Besser ist es, die Zeit für andere Menschen aufzubringen. Oder ich nehme mir Zeit, den Menschen im anderen zu sehen, etwa in der Schlange im Supermarkt, auch wenn man es eilig hat. Oft genügt schon ein freundlicher Blick oder ein gutes Wort, anstatt das Gesicht auf das Smartphone zu senken. Sieben Wochen ohne Smartphone, geht das überhaupt?

Überprüfen Sie es einmal; vielleicht zunächst nur eine oder zwei Wochen. Morgen ist Bergfest beim Fasten. Es ist eine gute Gelegenheit, den neuen Blick auf mein Leben zu wagen. Und wenn Sie es noch nicht probiert haben, fangen Sie doch einfach einmal an. Steigen sie zum Bergfest ins Fasten ein. Machen Sie die Erfahrung, das Leben neu in den Blick zu bekommen.