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Es gibt selten eine einfache Lösung

Bei unseren Entscheidungen spielen der Verstand und das Bauchgefühl eine Rolle

Von Pfarrer Matthias Wolf, Pfarrsprengel Woltersdorf-Jänickendorf

Mit unseren Entscheidungen ist es so eine Sache. Manch einer kann sich schnell entscheiden und lebt damit ganz hervorragend. Ein anderer quält sich mit einer Entscheidung tage- oder wochenlang. Das fängt am frühen Morgen an mit der Frage: Was ziehe ich heute an? Und es hört manchmal auch nicht auf, wenn über das abendliche Fernsehprogramm entschieden wird.

Manche Entscheidungen werden uns abgenommen, wenn Dinge zu erledigen sind, die keinen Aufschub dulden, oder wenn man überhaupt keine Wahl hat und vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Wir haben auch eine Palette von Möglichkeiten, eine eigene Entscheidung zu umgehen. Das ist so beim Werfen einer Münze, wenn man die Entscheidung sozusagen dem Zufall überlasst. Oder auch anderen die Entscheidung zu übertragen. Lange Zeit dachten wir ja, wir Menschen würden unsere Entscheidungen rational treffen, also Für und Wider abwägen und dann entscheidet man sich für die günstigere oder erfolgversprechendere Variante. Mit der Zeit mussten wir lernen, dass Entscheidungen viel mit unseren Gefühlen zu tun haben.

Ich las vor Kurzem von einem Mann, der an einem Hirntumor operiert wurde. Nach der Operation saß er stundenlang am Autoradio und konnte sich für keinen Sender entscheiden. Er war auch nicht fähig zu schreiben, wenn er zwei verschiedene Stifte zur Auswahl hatte. Er konnte noch genau so gut denken wie vor der Operation. Sein Intelligenzquotient war unverändert. Sein Arzt fand heraus, dass er nichts mehr fühlen konnte. Und mit seinem Fühlen hatte er auch die Fähigkeit verloren, sich zu entscheiden, weil sich alles eben gleich anfühlt.

Können wir also unseren Verstand bei Entscheidungen außen vor lassen? Das wäre sicherlich unklug. Denn dann lassen wir uns von Ängsten, Vorurteilen und Assoziationen leiten, denen wir uns oft gar nicht bewusst sind. Die Werbung hat das Potenzial der Entscheidungen erkannt, die wir aufgrund unterbewusster Assoziationen treffen. Da wird uns in schönen Bildern vorgegaukelt, dass es dir gut geht, wenn du dir dieses oder jenes leistest. Ähnlich funktionieren die Wahlplakate, die wir jetzt sehen. Auf den Bildern sehen wir nur freundliche, tatkräftige Menschen, die uns zurufen: Wähle mich, dann geht es dir gut! Ähnlich verhält es sich mit den Versprechen zur Wahl: Wer einfache, glatte Lösungen verspricht, der lügt uns an. Da werden uns Bilder vor Augen gemalt, die unsere Sehnsucht nach Harmonie und Geborgenheit ansprechen. Oft wird das dann noch gegen die Bedürfnisse anderer Menschen ausgespielt.

Wir leben jedoch in einer komplexen Welt, in der es selten einfache Lösungen gibt. Und manchmal können wir mit unseren Entscheidungen nur ein kleineres Übel wählen. Jesus wurde einmal gefragt: „Welches ist das höchste Gebot?” In unsere heutige Sprache könnte man die Frage so übersetzen: „Wonach richtest du dein Leben und deine Entscheidungen aus?” Jesus antwortet mit dem sogenannten Doppelgebot der Liebe: Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst. An der Liebe zu Gott und den Mitmenschen messe ich also alle meine Handlungen und Entscheidungen. Entsprechen sie der Liebe, die ich auch für mich wünsche und anlege, oder handle ich nach Maxime: Zuerst ich, dann ein ganzes Weilchen nichts und dann kommen erst die anderen. Die Liebe soll also als Maßstab mein Handeln und mein Entscheiden bestimmen. Liebe schließt nach christlichem Verständnis niemanden aus.

Für seine Entscheidungen einen solchen Maßstab zu haben, ist gut und sinnvoll, denn an ihm kann ich meine Entscheidungen überprüfen: Liege ich richtig, oder habe ich einen falschen Weg eingeschlagen? Nach diesem Maßstab kann ich auch meine Entscheidungen bei der Wahl der politischen Parteien am Sonntag messen. Eine Partei, die gegen andere Menschen bei uns hetzt und die die Gräuel des Zweiten Weltkrieges relativiert, kann ich dann nicht wählen. Bei unseren Entscheidungen spielen also der Verstand und unser „Bauchgefühl” eine Rolle.

Hinzu kommen unsere ethischen Wertvorstellungen, an denen wir unsere Entscheidungen prüfen sollten. Wenn unsere Entscheidungen durch diesen Filter gegangen sind, dann können wir mit einem guten Gewissen leben. Eine weitere Möglichkeit bietet uns der Spruch für die kommende Woche an. Er weiß davon, dass trotz aller mit Sorgfalt getroffenen Entscheidungen, vieles nicht in unserer Hand liegt. Diese Sorgen dürfen wir unserem Gott anvertrauen. Im 1. Petrusbrief heißt es: Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnetes Wochenende.

Letzte Änderung am: 25.09.2017