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RSSPrint

Regen als Bestandteil sommerlicher Lebensfreude

Der Regenbogen – vielfarbiges Zeichen bevorstehenden Wandels – ist für Juden und Christen Erinnerung an Gottes Bund mit den Menschen.

 

Von Kreiskantor Peter-Michael Seifried, Kirchengemeinde St. Nikolai Jüterbog 

Zu den schönen Erinnerungen meiner Kindheit gehört die Zeit am Fenster im ersten Stock bei Regen. Warum mir die Erinnerung so positiv vor Augen steht und ganz präsent ist, weiß ich nicht, aber dieses Gefühl von meditativer Muße, das mich als Kind berührte, hat mich– es wird Sie nicht wundern – in den letzten Wochen wieder erfasst.

Wir hatten ja ausführlich die Möglichkeit, verschiedene Stärken des Regens zu erleben. Da war es wieder: Regentropfen klatschen in genau bestimmtem Winkel auf den Boden, es bilden sich Luftblasen beim Aufschlag. Welch Freude ist es, dies zu erwarten, zu beobachten und die Weichheit des Wassers, den Duft der Luft, die mit dem Geschehen verbundene zweckfreie Zeit zu erinnern.

Als Kinder sind wir dann oft hinausgerannt und haben uns nass regnen lassen, schwammen durch den Bahntunnel, erlebten den Augenblick, wo aus Bugwellen der Autos Schweigen wurde und dann irgendwann kein Auto mehr durch den Tunnel kam– nach dem auch die Straßenbahn ihren Betrieb unterbrochen hatte. Dann kamen wir Kinder, die Nutzung der Straße änderte sich vollkommen. Spielen, Nassspritzen, kreatürliches Fühlen dieser wunderbar anderen Dimension des Regens – das können wohl nur Kinder und Verliebte so wahrnehmen.

Jetzt könnte ich Ihnen ähnliches Erleben bei kräftig fallendem Schnee berichten, sich ausbreitende Stille, wenn der Straßenverkehr erlischt, die Schlittensaison auf den Straßen der Hauptstadt kurzfristig dominiert. Warum schreibe ich dies so positiv? Unsere Landwirte sehen die Ernte verfaulen, Keller laufen voll, Bäume kippen in der haltlosen Erde einfach um, Sommerfeste gehen im Matsch unter, Aquaplaning und Überschwemmungen gefährden die Urlaubsreise, dunkle Regenzeit ersäuft den Sommer – dennoch erinnern Sie sich an Ihre Kinderzeit – da teilen wir sicher auch positive Gefühle bei der für Erwachsene so ganz anders wirkenden Naturgewalt.

Ein schöner Effekt sommerlicher Muße ist für viele von uns die andere Zeiteinteilung. Zeit für Begegnung, Zeit zum Feiern, Zeit Neues zu suchen und zu erleben, Zeit zum Verreisen, Zeit des Genusses von Kultur in warmen Kirchen und Burgen, Zeit für Familie und Freunde. Zeit für Gartengestaltung, Ernte, Blumenschmuck, Zeit zum Liegen in der Sonne und zum sich jagen im Regen. Zeit, bunte Gummistiefel anzuziehen und durch die Pfützen zu patschen. Kurz gesagt: Zeit zu sommerlicher Lebensfreude.

Das Ende des Regens, jedenfalls am Tag, wird beim Aufbrechen der Wolken durch den Regenbogen sichtbar, oft auch wenn es noch regnet. Insbesondere Kinder sind begeistert über die Farben, die Größe, die Besonderheit des himmlischen Effektes. Dieser Regenbogen – vielfarbiges Zeichen bevorstehenden Wandels –ist für Juden und Christen Erinnerung und Zeichen von Gottes Bund mit den Menschen.

Im 1. Mose, 8, 22 lesen wir „Solange die Erde steht soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Das ist die Beschreibung der Vielfalt unseres Lebens auf dieser dünnen Erdkruste, dieser kleinen Temperaturverträglichkeit des Menschen, ein Bild auch unseres Lebens ganz allgemein. Dass uns allen in dieser „lieben Sommerzeit“ der Regenbogen als Ankündigung und Zusage des Lebens in Fülle immer vor Augen steht, das wünscht Ihnen herzlich Ihr Peter-Michael Seifried.