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RSSPrint

Das Bild von Geborgenheit und scheinbarer Sorglosigkeit

Jesus Christus hat sich mit einem Hirten verglichen, um deutlich zu machen, dass er Menschen auf einem guten Weg durchs Leben führen will.

 

Von Pfarrer Wolfgang Scholz, Pfarrsprengel Illmersdorf-Meinsdorf-Werbig

Wenn ich in diesen Tagen nach Dahme fahre, dann sehe ich oft kurz vor der Stadt auf der linken Seite eine große Mutterschafherde mit vielen Lämmern. Ein friedliches Bild, wie sie alle gemeinsam da so grasen. Die Kleinen wohlbehütet in der Mitte der Herde. Und wenn ich dann noch ein wenig Glück habe, kann ich beobachten, wie die kleinen Lämmer plötzlich ganz ausgelassen herumhüpfen: Aus dem Stand mit allen vier Beinen gleichzeitig hoch in die Luft – oder ausgelassen, wie im Wettlauf, über das Feld.

Ein Bild von unbekümmerter Geborgenheit und scheinbarer Sorglosigkeit. Und manchmal sehe ich auch den Grund für diese Geborgenheit. Dann nämlich, wenn der Schäfer kommt, um ihnen Wasser zu bringen oder um sie auf ein frisches Stück Weideland zu führen, das er für sie eingezäunt hat. Ich erinnere mich dann an Erzählungen meiner Frau von der Zeit, in der sie noch als Schäferin mit der Herde durch die Landschaft zog. Morgens raus zur frischen Weide und abends wieder heim in den bergenden Stall. Beeindruckt hat mich immer, wenn sie mir berichtete, wie die Tiere ihre Stimme ganz genau kannten und ihr folgten, wenn sie die Tiere rief.

Wenn ich dieses Bild auf mich wirken lasse, dann wundert es mich nicht, dass auch Jesus es benutzt hat, um zu zeigen, dass die Menschen, die sich ihm anvertrauen, sich auch ganz auf seine Begleitung und Führung verlassen können. Am morgigen Sonntag wird davon wieder in unseren Kirchen geredet werden. Misericordias Domini – so heißt dieser Sonntag, übersetzt „Die Barmherzigkeit des Herrn“. Denn darum geht es in den Gottesdiensten: Zu zeigen, wie barmherzig Gott mit uns Menschen umgeht, wie er sich denen zuwendet, die seine besondere Hilfe brauchen, eben wie ein Hirte, der auch mal ein krankes Lamm auf seinen Schultern nach Hause trägt.

Und so hat auch Jesus sich mit einem solchen Hirten verglichen. Er macht dabei deutlich, worum es ihm mit uns Menschen geht. Er möchte uns auf einen guten Weg durch unser Leben führen, uns immer auf eine gute Weide bringen oder zu frischem Wasser. Dazu ruft er uns, wie es in dem Wochenspruch heißt: „Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“

Und da geht es dann doch über das Bild von der beschaulichen Schafherde hinaus. Denn hier wird noch etwas angesprochen, was mich – und jede und jeden von uns – betrifft. Wir meinen zwar, in unserem Leben vieles selbst dafür tun zu können, dass es uns gut geht. Und oft genug denken wir, dass wir keinen brauchen, der uns den Weg zeigt. Letztlich kommt aber doch der Punkt, wo wir allein nichts mehr ausrichten können. Einmal nämlich endet unser irdischer Weg – und keiner weiß vorher, wann es sein wird. Dann aber zu wissen, dass da einer ist, der uns auch durch dieses letzte Tal, durch die Dunkelheit des Todes, führt und uns danach ein von allen Lasten des Irdischen befreites Leben in der Gemeinschaft mit Gott, seinem Vater, schenkt, das kann Trost geben. Und genau dieses Wissen ist etwas, was uns kein anderer geben kann als allein der, der selbst durch den Tod zu neuem Leben gegangen ist, Jesus Christus.

Und so wünsche ich Ihnen allen und auch mir selbst immer wieder die Stärkung dieses Vertrauens auf Jesus Christus als den guten Hirten, das dann auch helfen kann, mit der unweigerlich auch wieder kommenden Begegnung mit Sterben und Tod von Menschen in meiner und unserer Umgebung besser und getrösteter umgehen zu können.

Letzte Änderung am: 23.04.2018