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Himmelfahrt ist, wenn der Teufel fällt

Hass und Misstrauen, Rechthaberei und Machtgier herrschen nicht mehr, sondern bekommen ihre Grenzen aufgezeigt.

Von Pfarrer Bernhard Gutsche, Ev. St. Nikolai-Kirchengemeinde Jüterbog

Zu Himmelfahrt fiel früher der Teufel herunter und die Jungs konnten ihn verkloppen. Und das in der Kirche. Dann regnete es Süßigkeiten, wie heute zu Fasching die Kamellen. Was für ein Fest!?

Sie müssen sich das so vorstellen: Himmelfahrt wurde als das festliche Ende der Osterzeit gefeiert. Am Freitag vor Ostern wurde eine lebensgroße Figur des toten Jesus in einen Sarg beim Altar gelegt. Zu Ostern stand dann eine etwas kleinere Figur des auferstandenen Jesus auf dem Altar. Knapp sechs Wochen später, am Himmelfahrtstag, wurde diese Figur in die Mitte der Kirche getragen, bis an die Stelle, wo in der Decke ein Loch ist. Von oben kam ein Seil herunter, in das die Figur eingehängt wurde. Dann wurde die Figur daran hochgezogen.

Dazu gab es im Dachgestühl der Kirche eine Winde, mit deren Hilfe man die Figur recht gleichmäßig nach oben winden konnte. Während die Figur in die Höhe fuhr, drehte sie sich, so dass alle sie noch einmal von vorne sehen konnten. Dann verschwand sie im Gewölbe, genauer gesagt im Loch im Zentrum eines Kreuzrippengewölbes.

Doch damit nicht genug. Kaum war die Figur im Kirchdachboden verschwunden, rumpelte und polterte es und eine Strohpuppe, die den Teufel darstellt, flog aus dem Loch herunter auf den Fußboden der Kirche. Die „Buben der Gemeinde“, wie es in alten Quellen heißt, schlugen nun „mit Ruten“ auf die Figur ein und zerstörten sie vollkommen. Während dem Widersacher noch der Garaus gemacht wurde, regnete es aus dem Himmelfahrtsloch Süßigkeiten. Nüsse, Kandis, Rosinen, und dazu Oblaten, die durch die Kirche segelten.

Auch wenn das heute selbst für viele Kirchenbesucher befremdlich klingt, ist an diesen alten Traditionen sehr gut ablesbar, was Himmelfahrt eigentlich bedeutet. Denn der Gedanke hinter dem Himmelfahrtstag ist der, dass der Teufel die Welt nicht mehr beherrscht. Er wird von dem besiegt, den er gerade erst hat hinrichten lassen: Jesus Christus. Modern gesagt: Hass und Misstrauen, Rechthaberei und Machtgier herrschen nicht mehr, sondern bekommen ihre Grenzen aufgezeigt. Und das von dem, der sich nicht auf dieses Eifern, dieses Verletzen und Verleumden einlässt.

Eigentlich ist Himmelfahrt ein großer festlicher Widerspruch gegen all die Trumps, die Putins und Erdogans und die, die genauso meinen, mit Gebrüll und Gewalt ihre Sache durchsetzen zu können. Auch wenn heutzutage viele den Himmelfahrtstag als „Herrentag“ in unterschiedlicher Art und Weise feiern beziehungsweise gefeiert haben, kennen die Wenigsten den Hintergrund des Festes. Offenbar auch gerade diejenigen nicht, die sich neuerdings so laut als Verteidiger von Tradition und Kultur aufschwingen. Wüssten sie es, würde ihnen wohl ungemütlich werden an diesem Tag.

Letzte Änderung am: 22.05.2018