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Dem Stern folgen

Heute feiern Christen den Dreikönigstag: Ein Reisebericht aus der Sicht eines der Weisen aus dem Morgenland

Von Pfarrerin Leen Fritz Pfarrerin, Ev. Kirchengemeinde Zossen

Mein Leben hat sich verändert – durch eine Reise. Schon bevor ich losgegangen bin, wusste ich, dass es ein langes und risikoreiches Unterfangen sein wird. Schon immer habe ich mich für Sterne interessiert und bemerkt, dass sich in den vergangenen Monaten zwei Planeten auf ihrer Himmelsbahn näher gekommen sind. So nahe, dass sie wie ein einziger Stern aussahen. Und nun quälte mich die Frage, was das zu bedeuten hatte.

Als Astronom versuchte ich mich an einer Deutung: Der Jupiter gilt als Königstern und der Saturn als Stern der Juden. So lag es nahe, dass ein neuer König der Juden in unsere Welt kommen würde. Heute weiß ich nicht mehr, was mich bewog, mich auf den Weg zu machen. Dieser neue König hatte eigentlich gar nichts mit mir zu tun und trotzdem wurde ich von ihm angezogen.

Ich suchte meine Reiseausrüstung zusammen, zurrte alles fest auf meinem Kamel und brach auf. Unterwegs traf ich zwei reisende Astronomen, die die gleichen Beobachtungen gemacht hatten wie ich. Als wir nach 23 Tagen in Jerusalem ankamen, machten wir uns gleich auf den Weg zum König Herodes. Hätten wir damals schon gewusst, was wir am Ende unserer Reise wussten, hätten wir niemals an die hölzernen Palasttüren angeklopft.

Mit meiner eher forschen Art fragte ich in die Runde der Mächtigen des Landes: „Wir sind auf der Suche nach dem neuen König der Juden. Weiß jemand, wo wir ihn finden können?“ Es wurde ganz still, und sie schauten uns mit ratlosen Gesichtern an. Wir begriffen nicht, was ihr Schweigen zu bedeuten hatte und erzählten von unseren astrologischen Beobachtungen. Wir erklärten, dass wir daher 2000 Meilen aus Persien angereist sind, um dem neuen König unsere Ehrerbietung darzubringen.

Es wandten sich fragende Gesichter in Richtung des Königs Herodes. Sein Gesicht war blass und kopfschüttelnd verneinte er die Existenz eines solchen Königs. Er ließ Berater und Priester kommen, wollte wissen, warum er von diesem neuen Herrscher noch nichts wusste.

Für uns wurde die Situation zunehmend unangenehm. Diese Menschen hatten noch nie etwas von der Verheißung gehört, dass ein Kind geboren wird, das uns allen den Frieden und die Liebe Gottes offenbart. Nur einer der Schriftgelehrten erinnerte sich an einige Verse aus der Heiligen Schrift, welche besagen, dass der König aus Bethlehem kommen soll. Ein herzhaftes Gelächter brach über diese Vermutung aus. Denn Betlehem war eine kleine Provinzstadt, aus der niemals ein König kommen würde.

Unzufrieden verließen wir den Palast, zogen weiter und trafen auf ein Gruppe Hirten, die von einem Kind erzählten. Himmlische Gestalten ließen sie aufbrechen und dem Stern folgen. So fanden wir das neugeborene Kind in einem Stall in Bethlehem. In der ärmlichen Unterkunft wurde uns klar, dass wir den neuen König im Palast an völlig falscher Stelle gesucht hatten. Wir hatten den Stern aus den Augen verloren. Wir hätten ihm doch nur folgen müssen, doch stattdessen ließen wir uns von dem glänzenden Äußeren des Palastes blenden.

Das Kind sah uns freundlich und mit seinen großen Augen an. Seine Eltern freuten sich über unsere Geschenke: Wir brachten Gold, Weihrauch und Myrrhe. Die letzten beiden verliehen dem Stall durch ihren Geruch eine feierliche Stimmung. In diesem Moment spürte ich es ganz deutlich: Wie gut, dass wir uns auf den Weg gemacht haben und dem Stern gefolgt sind, ohne zu wissen, was uns am Ende erwartet.

Heute, am 6. Januar, feiern Christen den Dreikönigstag. Er erinnert an die Weisen aus dem Orient und ruft uns dazu auf, nach unseren Momenten zu suchen und aufzubrechen. Sind wir offen für neue Wege, die etwas Wunderbares, aber auch Ungewisses für uns bereithalten?

Folge dem Stern in die evangelische Dreifaltigkeitskirche in Zossen (Foto: privat).

Letzte Änderung am: 15.01.2018