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RSSPrint

Zeit der Vorfreude und Rückbesinnung

Die immer wiederkehrenden Rituale im Advent können Halt und Orientierung geben.

Von Friedemann Düring, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und "Erwachsen glauben"

Alle Jahre wieder“ beginnt ein bekanntes Adventslied. Alle Jahre wieder die gleichen Rituale, die Adventskränze, der Glühweinduft und die Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt. Weihnachtsmarkt-Begeisterte haben wahrscheinlich schon gleich nach dem Ewigkeitssonntag einen Glühweinstand erobert. Hingegen, die Adventsmuffel verdrehen wohl eher die Augen: Schon wieder ein Jahr vorbei. Schon wieder das süßliche Klimbim und die übervollen Kaufhäuser.

Und ein Blick in die Welt verheißt auch nicht unbedingt Gutes. Asien scheint dank Nordkorea und Donald Trump auf einem Pulverfass zu sitzen. Auch in diesem Jahr sind wieder Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken, und unsere Politiker bekommen seit Wochen keine neue Regierung hin. Kennt man alles schon, man kommt sich manchmal vor wie in einer Endlosschleife.

Für Christen beginnt zudem mit dem 1. Advent am Sonntag das neue Kirchenjahr. Nachdem noch in der vergangenen Woche die Erinnerung an die Verstorbenen im Mittelpunkt stand, geht es nun um die Vorbereitung auf Christi Geburt. Dabei vergessen wir nur allzu schnell, dass diese Adventszeit eigentlich eine stille Zeit ist. Ursprünglich wurde der Advent als Bußzeit begangen, genauso wie die Fastenzeit vor Ostern. Es ging darum, in sich zu gehen und das eigene Leben auf Gott auszurichten. Insofern ist der Schritt vom Ewigkeitssonntag zum 1. Advent gar nicht so weit, wie es ausschaut und wie wir es in unserer Art, Advent zu feiern, eher selten spüren.

Oder vielleicht doch? So gut wie alle Kirchengemeinden in unserer Region laden in den kommenden Wochen zu Adventsmusiken ein. Dabei stehen oft Stücke auf dem Programm, in denen man gut nachempfinden kann, was es heißt, sich auf Gottes Kommen in die Welt vorzubereiten. Und auch wenn es mancher vermissen wird, so verkehrt ist es nicht, dass Johann Sebastian Bachs populäres Weihnachtsoratorium dieses Jahr im Programm fehlt. Das „Jauchzet, frohlocket“ hat genaugenommen seinen musikalischen Platz erst im Christfest. Aber in Vorfreude auf das Kommen Gottes in die Welt ist es wiederum nicht so verkehrt, bereits im Advent hin und wieder in die festliche Musik einzustimmen.

Es gehört beides zusammen: die Vorfreude auf das Kommende, aber auch die eher stille Rückbesinnung auf das, was hinter einem liegt. Und ich finde es gut, dass es dafür auch feste Zeiten im Jahr gibt. Der Advent ist dabei so eine Art Übergangszeit vom Alten zum Neuen. Und das eben alle Jahre wieder. Auch kirchlich gesehen, scheinen sich die Rituale, Lieder und Predigten zu wiederholen. Alle Jahre wieder, eben. Aber vielleicht ist das ja auch eine notwendige Stärke.

Unser Leben verändert sich fortlaufend und in einer Geschwindigkeit, bei der viele Mühe haben, mitzukommen. Das, was gestern noch selbstverständlich war, gilt heute schon nicht mehr, und was kommt morgen? Da ist es gut, wenn es Dinge gibt, die sich wiederholen, an denen man sich orientieren kann und die einem Halt im Leben geben. Was immer Sie auch vorhaben, ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Advent.

Letzte Änderung am: 11.12.2017