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RSSPrint

Mit offenem Ohr und offenem Herzen

Wer seinen Mitmenschen gegenüber aufmerksam ist, der wird vielleicht auch einmal unerwartet beschenkt

Von Beata Reime, Benediktinerin im Kloster Alexanderdorf

Es ist Faschingszeit. Viele der Leserinnen und Leser werden an der einen oder anderen Feier teilnehmen, die meist abends anfängt und auch bis spät in die Nacht dauert. Warum feiern wir eigentlich so gern nachts, treffen uns erst spät? Ist es vielleicht darum, weil zu später Stunde alles andere wegfällt, was uns sonst in Beschlag nimmt, ablenkt und von einer wirklichen Begegnung irgendwie abhält?

Von einer solchen nächtlichen Begegnung lesen und singen wir Schwestern im Kloster Alexanderdorf im Abendgottesdienst des 9. Februar und am folgenden Tag. Es geht da um den heiligen Benedikt, nach dessen etwa 1500 Jahre alter Mönchsregel wir noch heute leben, und um seine leibliche Schwester, die heilige Scholastika. Ihr Name hat etwas mit „Schule“ zu tun, ob er Lehrerin oder Schülerin bedeutet, erfahren Sie, wenn Sie weiterlesen.

Einmal im Jahr kommt Benedikt aus seinem Mönchskloster, um an einem Nachmittag seine Schwester, die in einem Frauenkloster lebt, zu treffen. Das passiert auf einem Landgut, das zum Männerkloster gehört. Sie wollen miteinander über ihren Glauben an Jesus Christus sprechen, sich darin gegenseitig bestärken und vielleicht auch Kindheitserinnerungen austauschen. Als es Abend wird, will Benedikt in sein Kloster zurückkehren, wie er es sonst auch tat. Doch seine Schwester ahnt, dass sich ihre Lebenszeit zum Ende neigt und bittet ihn, doch noch über Nacht zu bleiben, damit das Gespräch fortgesetzt werden kann. Als guter Abt will Benedikt jedoch bei seinen Brüdern sein und die mehr private Begegnung nicht weiter ausdehnen. So erhält seine Schwester eine klare Ablehnung ihrer Bitte.

Wie oft kommen auch wir in ähnliche Situationen, wenn uns jemand um etwas bittet und es so viele sinnvolle und gute Gründe gibt, nein zu sagen. Aber Scholastika gibt nicht so leicht auf; sie bittet ganz einfach und direkt Gott um seine Hilfe. Und plötzlich bricht ein heftiges Unwetter los: Sturm, Hagel und Gewitter, so dass Benedikt beim besten Willen nicht aufbrechen kann. Jetzt haben die beiden Zeit, ihr Gespräch bis zum Morgen fortzusetzen.

Passt solch eine Geschichte in die Faschingszeit? Auf jeden Fall ist sie – ob historisch genau so passiert oder nicht – mit Humor erzählt, denn die Schwester verspottet ihren Bruder auch noch in seinem Schreck über das Unwetter: „Geh doch weg, wenn du kannst,“ sagt sie, „und lass mich hier allein zurück.“

Benedikt macht ihr zwar Vorwürfe, aber er schafft es dann doch, sich auf die neue Situation einzulassen, so dass für beide Geschwister diese gemeinsamen Stunden nicht nutzlos sind. Ein paar Tage später erfährt er dann von ihrem Tod und ist sicher froh, an dem Abend nicht weggegangen zu sein. So wird mit dieser Erzählung Benedikt als Lernender dargestellt, der durch die größere Liebe seiner Schwester in eine größere Offenheit hineinwächst für das, was gerade jetzt das Notwendige ist.

Vielleicht kann diese Geschichte auch uns dazu anregen, unsere Pläne ab und zu durchkreuzen zu lassen, aufmerksam zu sein für den Menschen, der uns gerade begegnet, unser offenes Ohr und Herz oder unsere Hilfe braucht. Und vielleicht werden auch wir dann unerwartet beschenkt. Ich wünsche Ihnen Frohe Faschingstage und danach ein gutes Zugehen auf Ostern.

Letzte Änderung am: 19.02.2018