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zur Geschichte...

Aktualisiert (Dienstag, 30. November 1999 um 01:00) Geschrieben von: Administrator Mittwoch, 03. September 2008 um 21:41

Im Kirchenkreis gibt es z.B. in der Kirchengemeinde Blankenfelde mehrere Pfadfindergruppen.


Die Geschichte der Pfadfinder

Lord Robert Sir Baden-Powell gründete in England 1907 die erste Pfadfindergruppe. Die Idee hierzu ergab sich aus den Kundschaftertätigkeiten und seiner Zeit beim Militär.
Doch die Jungen, die die Grundideen übernommen haben, orientierten sich nicht an der militärischen Ordnung, sondern vielmehr an den Elementen, die sich mit der Natur und dem Leben daraus befassen.
Hierdurch entstand eine einzigartige Jugendbewegung. Diese wurde sehr schnell auch von Mädchen übernommen und verbreitete sich auf der ganzen Welt, wo es heute viele Millionen Pfadfinder gibt.
Alle sehen BiPi (liebevolle Abkürzung von Baden-Powell) als ihren Gründer an und leben einen Teil seiner Grundsätze.


Lord Robert Stephenson Smyth Baden-Powell of Gilwell

Er kam als das zwölfte von vierzehn Kindern des anglikanischen Pfarrers Baden-Powell am 22. Februar 1857 zur Welt. Diesen konnte er allerdings nicht lange erleben, denn im Alter von 3 Jahren starb der Vater.
In jener Zeit wurden Jungen schon früh zu Ritterlichkeit und Verantwortungsbewusstsein erzogen und durch seinen Großvater Admiral W. Smith, der Kartograph und Astronom war, entdeckte Lord Baden-Powell früh die Lust an Natur und Abenteuer.
Die Schule lag ihm nicht so sehr, doch nutzte er die Zeit in dem renommierten College von Charterhouse um in einem nahe gelegenen Park Spuren der Tiere zu suchen und sich die „Wissenschaft des Waldes" anzueignen, wie er es nannte.
Diese Erfahrungen nutzten ihm, wenn er mit Freunden während der Ferien ausgedehnte Reisen zu Fuß oder per Boot unternahm. Sie kampierten im Freien, orientierten sich nach der Sonne und den Sternen und ernährten sich sogar von erlegten Tieren, die sie am Lagerfeuer grillten.
Und so verlebte Lord Baden-Powell - später von vielen Menschen liebevoll BiPi genannt - seine Jugendzeit genau so, wie sich unsere kleinen und großen Pfadfinder ihre Freizeit auch vorstellen.
Eigentlich hätte BiPi studieren sollen, wie es die Familientradition vorsah, doch bewarb er sich um einen Ausbildungsplatz als Offizier der britischen Armee. Das Aufnahmeexamen legte er mit hervorragenden Leistungen ab und wurde gleich zum Unterleutnant befördert.
BiPi entschied sich als begeisterter Reiter für die königliche Kavallerie. Allerdings war er dort zunächst eher ein Außenseiter. Die meisten der Truppe waren Söhne reicher aristokratischer Familien. Robert Baden-Powell hatte noch nicht einmal einen Adelstitel und seine Mutter als allein stehende Witwe konnte ihn auch nicht mit Familiengeldern unterstützen. So war er auf seinen geringen Sold angewiesen.
Bald wurde BiPi mit dem 13. Husarenregiment in Indien eingesetzt. Er war sparsam und besserte sich seinen Soldatensold auf, indem er Zeitungsartikel schrieb. Auch jetzt zog er den Aufenthalt in der Natur dem in den Bars vor, in denen sich seine Kameraden vergnügten. Er beobachtete lieber die wilden Tiere.
So langsam eroberte BiPi einen Platz in den Herzen der Kameraden, denn eine weitere Begabung lag in der Unterhaltungsbranche. So sang er im Offizierskasino, arrangierte Theateraufführungen und war ein fröhlicher Geselle, bei dem keine Langeweile aufkam. So wurde er ziemlich bekannt.

Lord Baden-Powell of Gilwell
…ein fröhlicher Geselle und guter Pädagoge…

BiPi's Gaben sprachen sich natürlich auch bei den Vorgesetzten herum. Ein Mann mit diesen Fähigkeiten war doch besonders geeignet, Führungsaufgaben zu übernehmen.
Und so übertrug ihm die Armeeleitung die Ausbildung der Scouts, der „Pathfinder" Pfadfinder, die nicht im offenen Kampf eingesetzt wurden, sondern Tätigkeiten als Kundschafter ausführten.
BiPi's Erfahrungen in der Natur kamen ihm dabei besonders zu Gute. Denn nun musste er junge Menschen unterrichten, die sich selbst durch ihr Tun oft in Lebensgefahr brachten. Es kam also auf List und Lautlosigkeit an.
Schon im 19. Jahrhundert war BiPi klar, dass junge Menschen mit Druck und Drill nicht halb so gut arbeiten und lernen, wie mit Motivation und Eigenverantwortlichkeit.
Er versuchte die Auszubildenden für ihre Aufgabe zu begeistern und erklärte ihnen den Sinn der Übung. Jeder übernahm kleine Verantwortlichkeiten und musste sich keine langen Vorträge anhören, durfte sehen und ausprobieren. Also das, was wir heute „learning by doing" nennen.
Vor allen Dingen aber machte BiPi seinen Schützlingen alles selbst vor, ohne Strapazen oder Gefahren zu scheuen.
Als beispielsweise die Männer einer Patrouille von einem Kundschafterunternehmen erfolglos zurückkehrten, mit der Begründung, es sei unmöglich, nachts die enge Postenkette des aufmerksamen Gegners unbeobachtet zu durchschleichen - da versuchte es BiPi selbst. Er schlängelte sich nachts im Gras zwischen den feindlichen Wachtposten durch, drang weit ins Gebiet des Gegners ein, kundschaftete wichtige Einzelheiten aus und kehrte ungeschoren zurück.
Zum Beweis, dass er tatsächlich im Lager des Feindes gewesen war, hatte er dort seinen Handschuh in einem Gebüsch verborgen. Als das Gebiet später erobert wurde, lag der Handschuh immer noch an der Stelle. BiPi überzeugte - und führte -, indem er selbst ein Vorbild gab.
Wir erkennen hier schon die Grundprinzipien des später gegründeten Pfadfindersystems. Allerdings: die Methode, die Baden-Powell damals als junger Offizier, als Ausbilder und Anführer der Scouts erdachte und in die Praxis umsetzte, war für Erwachsene vorgesehen, für Soldaten zum Zweck einer siegreichen Kriegsführung. Insofern standen seine damaligen Bestrebungen im krassen Gegensatz zu der späteren Pfadfinderbewegung, die nach seinem Willen ausdrücklich dem Frieden dienen sollte.

Lord Baden-Powell of Gilwell
... ein klasse Vorgesetzter…

Einer, der anpackte und der für damalige Zeiten enorm fortschrittliche pädagogische und methodische Fähigkeiten hatte.
Zunächst mal arbeitete BiPi ja mit erwachsenen Menschen, mit Soldaten, Scouts etc. und war auf diese Weise zu einigem Ruhm gekommen.
Später jedoch überdachte BiPi seine Erfahrungen als Offizier und die Ausbildungsmethoden für Soldaten im Interesse der Jugenderziehung von Grund auf. Dafür gab es einen Anlass: Nachdem BiPi in Indien, Afghanistan und Malta eingesetzt worden war, erhielt er 1897 (inzwischen Hauptmann) den Auftrag, in Südafrika eine Expedition als Vergeltungsschlag gegen den Ashanti-Häuptling Pempreh zu unternehmen. Dieser war ein Urwaldfürst grausamster Prägung, der nicht nur gegen die englische Kolonialherrschaft rebellierte, sondern auch Mitglieder seines eigenen Volkes als Sklaven verkaufte oder als Menschenopfer bei rituellen Handlungen hinschlachten ließ.
Auf der Fährte des flüchtenden Pempreh lernte Baden-Powell von befreundeten Eingeborenen ihm z. T. noch unbekannte Methoden der Jagd, Orientierung, Urwaldmedizin des Spurenlesens, u. ä. Waldläuferkünste. Dabei vervollkommnete er seine eigenen Erfahrungen, und war bald so geschickt, dass seine eingeborenen Lehrmeister ihm den Namen „Impeesa" gaben: „Der Wolf, der nie schläft." Während er tagsüber Pempreh jagte, schrieb er nachts am Lagerfeuer sein Buch „Aids for Scouting" (wörtlich: „Hilfen zum Pfadfinden"), in dem er zusammen fasste, was er in Indien und Afrika an Waldläufergeheimnissen gelernt hatte.
Als das Manuskript fertig war, gelang es Baden-Powell endlich, den Ashanti-Häuptling Pempreh gefangen zu nehmen, doch er ließ ihn nicht hinrichten. Blutvergießen war Baden-Powell ein Gräuel. Der Häuptling zog ins Exil - und wurde später ein Freund und Verehrer des Mannes, der ihn überwunden hatte. (Als Baden-Powell seine Pfadfinderbewegung für Jugendliche gründete, war Pempreh einer der ersten afrikanischen Pfadfinderführer!)
Baden-Powell, inzwischen zum Obersten befördert, kam im Anschluss an sein afrikanisches Abenteuer nach Indien. Von dort aus sandte er das Manuskript seines Buches „Aids for Scouting" nach England zu einem Verleger. Als das dünne Bändchen dort 1899 erschien empfahl es der englische Generalstab als allgemeine Ausbildungslektüre für Offiziere. Im selben Jahre brach in Afrika der Burenkrieg aus, wo BiPi unverzüglich hinbeordert wurde, um seine vielfältigen Erfahrungen dort einzubringen. Er bekam den Auftrag, in Mafeking, einer kleinen Frontstadt, britische Soldaten für den Dschungelkampf auszubilden.
Die Buren erfuhren bald, dass der inzwischen schon berühmt gewordene Afrika-Experte Oberst Baden-Powell in Mafeking war, und am 11. Oktober umzingelte der Burengeneral Cronje mit 9000 Mann die Stadt, um ihn gefangen zu nehmen. Der „Wolf, der nie schläft" saß in der Falle. Die Übermacht der Angreifer war rund zehnfach. War nun alles verloren?
Außer Frauen, Kindern und Jugendlichen befanden sich nur 700 ausgebildete Soldaten und ca. 300 Zivilisten, meist ältere Männer, innerhalb der Stadtmauern. Baden-Powell war trotz allem entschlossen, die Stadt zu verteidigen. So kam es, dass er einen Offizier der Buren, der mit weißer Fahne in die Stadt geritten kam und die Besatzung zur Übergabe aufforderte nur mit der Frage „WARUM?" bedachte. Der Offizier stutzte und musste ohne Erfolg wieder abziehen.
Der indische General Cronje schüttelte über das Selbstbewusstsein des Stadtkommandanten den Kopf. Er glaubte, dass Baden-Powell keine Chance habe. Für Cronje war die Eroberung von Mafeking nur noch eine Frage von Tagen. Doch damit sollte er sich geirrt haben.
Baden-Powell verteidigte die Stadt nicht mit Gewalt, sondern mit List. Er täuschte den Buren eine viel größere Zahl an Verteidigern und unbegrenzte Mengen von Munition vor, indem er Strohpuppen auf Schützenwälle legte, geschnitzte Holzgewehre über Schiessscharten hinausragen ließ und mit leeren Konservendosen Attrappen von Geschützen aufbaute. Die bewaffneten Truppen ließ er blitzschnell die Stellung wechseln, mal hier mal dort Gewehrsalven abfeuern, so dass die Buren glaubten, die Stadt sei voll von Verteidigern. Sie wagten nicht anzugreifen.
Um die Soldaten für den Ernstfall ständig bereit zu haben, rekrutierte Baden- Powell aus den Jungen der Stadt eine Truppe für leichtere militärische Aufgaben: Sie wurden als Sanitäter, als Meldegänger und für Spähtrupps eingesetzt. Dabei stellte Baden-Powell zu seiner Verblüffung fest, dass die Jungen durchaus fähig waren, Verantwortung zu übernehmen, Gefahren zu bestehen und Strapazen zu ertragen - wenn man ihnen nur Vertrauen schenkte und ihnen freie Hand ließ für selbstständige, improvisierte Entscheidungen.
Diese Erkenntnis war revolutionierend, damals, zur Zeit der Jahrhundertwende, als Pädagogen den Jugendlichen überhaupt nichts zutrauten und glaubten, man müsse Jungen und Mädchen mit puritanischer Strenge jeden Handgriff vorschreiben.

Dass heutzutage Pädagogen die Jugendlichen als ernst zu nehmende Partner behandeln (sollten), denen man eine Menge zutrauen kann, ist nicht zuletzt Baden- Powell zu verdanken. Er war der erste, der diese bahnbrechende pädagogische Entwicklung ausgelöst.
Mit Hilfe dieser Jungen von Mafeking war es BiPi gelungen, die Stadt Mafeking 217 Tage zu verteidigen, bis sie von der britischen Kavallerie im Mai 1900 befreit wurde.

1901 wurde BiPi auf königlichen Befehl nach England zurück beordert. Er sollte zum General befördert und mit dem Kreuz des Bath-Ordens ausgezeichnet werden. Schon bei seiner Ankunft schlug ihm in der Heimat eine Welle der Begeisterung entgegen.
Birgit Matzke-Wennemuth, Blankenfelde